«Spekulationsblase beim Gold geplatzt » Matthias Wirz
Leiter Anlagestrategie und Vermögensverwaltung, Partner
«Spekulationsblase beim Gold geplatzt » Matthias Wirz, Leiter Anlagestrategie und Vermögensverwaltung, Partner
Abgesehen vom Technologiesektor und dem Edelmetallmarkt haben die Finanzmärkte die Nomination von Kevin Warsh zum neuen FED-Präsidenten relativ gut weggesteckt. Die zu erwartende Geldpolitik von Warsh dürfte grundsätzlich «marktfreundlich» ausfallen, wobei er kein Freund von überhöhten Inflationserwartungen und Anhänger einer übermässigen Bilanzausdehnung des FED sein soll. Bei letzterem ist die quantitative Geldpolitik (QE) des FED in den Jahren 2008-2014 und 2020-2022 gemeint. Der USD-Geldmarkt rechnet unverändert mit zwei Leitzinssenkungen der FED im Juli und Dezember in diesem Jahr.
Dennoch wertete sich der USD auf und löste eine längst überfällige Korrektur der Edelmetallpreise aus, wobei Gewinnmitnahmen und die Auflösung von kreditfinanzierten Positionen zu einer heftigen Korrektur des Gold- und vor allem Silberpreises führten. Die vorherige «Momentum-Rallye» seit Anfang Jahr war überwiegend von Futures getrieben und weniger durch physische Nachfrage (Zentralbanken) oder ETF-Zuflüsse (private und institutionelle Investoren). Der schnelle Abbau spekulativer Positionen löste «Margin Calls» aus, die wiederum den Ausverkauf beschlenigten. Die Preise für Gold und Silber stürzten zwischenzeitlich um bis zu 15% resp. 35% in die Tiefe. Seit Jahresbeginn liegt Gold (Silber) jedoch noch immer 13% (10%) im Plus.
Inzwischen haben die enorm ambitionierten Investitionspläne der grossen US-Technologiefirmen in KI die seit drei Jahren eingetrübte Stimmung der Einkaufsmanager im Industriesektor spürbar verbessert: der ISM-Index kehrte mit 52.6 überraschend kräftig in den expansiven Bereich zurück, nach 47.9 im Dezember. Damit nähert sich die Stimmungslage den positiven realen Indikatoren wie zum Beispiel der seit mehreren Monaten anziehenden Industrieproduktion oder den quantitativen Modellvorhersagen der regionalen Zentralbank in Atlanta (Atlanta FED GDPnow) von über 4% Wirtschaftswachstum an. Gleichwohl verharrte die 10-jährige USD-Staatsanleiherendite (Treasuries) im Bereich von 4.00%-4.25%.
Die Euro-Zinskurven bewegten sich aufgrund der hohen Korrelation zu den Treasuries gleichfalls leicht nach unten, trotz weiterhin bestehenden politischen Risiken in der Eurozone. Derweil hat die französische Regierung die letzten zwei Misstrauensanträge überstanden, sodass nun der Verfassungsrat den Haushaltsplan formal absegnen muss. Der französische Staatshaushalt wird 2026 ein Budgetdefizit von hohen 5% ausweisen.
An der ersten Sitzung im neuen Jahr verzichtete die Europäische Zentralbank (EZB) wie erwartet auf eine Leitzinssenkung. Die EZB signalisierte ferner ihre Bereitschaft, bei Bedarf datenabhängig in beide Richtungen zu reagieren. Präsidentin Lagarde stufte den mittelfristigen Inflationsausblick als weiterhin günstig ein und daher die derzeitige geldpolitische Ausrichtung als angemessen. Zugleich ist der Konjunkturausblick infolge des erstarkten EUR und erneuten Turbulenzen im Welthandel von erhöhter Unsicherheit gekennzeichnet. Möglicherweise wird der Inflationstrend in den nächsten Monaten daher nach unten überraschen, umso mehr als die Kreditvergabe der Geschäftsbanken in den letzten Monaten weit hinter deren Erwartungen zurückblieb (EZB Lending Survey).
Wir sind aufgrund der expansiven Wirtschaftspolitik und der tiefen Zinsen mit einer taktischen Übergewichtung der Aktienanlagen ins neue Jahr gestartet. Die Übergewichtung konzentriert sich im Gegensatz zum letzten Jahr stärker auf Europa, und da vor allem auf die Schweiz. Zum einen ist der Schweizer Aktienmarkt (SPI) gemessen am Kurs-Gewinnverhältnis und der Risikoprämie (Gewinnrendite-risikoloser Zinssatz) weniger hoch bewertet als die USA und Japan. Neben der Schweiz sind auch die Schwellenländer noch nicht als überteuert einzustufen.
Zum anderen verstärkte sich zuletzt die seit dem vierten Quartal laufende Sektor-Rotation aus Technologie (Growth) in defensive, konjunkturunabhängige Sektoren (Value), wie zum Beispiel Pharma/Gesundheit und nicht-zyklischer Konsum. Auch teilweise hervorragende Quartalsberichte (Alphabet) konnten den Trend bisher nicht bremsen. Alphabet ist zunächst trotz hervorragender Quartalszahlen mit Kursverlusten von bis zu 8% abgestraft worden, da die enormen Investitionspläne die Markterwartungen weit übertrafen. Im Weiteren hat Amazon nach Börsenschluss bekanntgegeben, dass in diesem Jahr im KI-Bereich bis zu USD 200 Mrd. investiert werden sollen. Damit wurden die Markterwartungen übertroffen und die Gewinnerwartungen belastet. Obwohl ansonsten die hohen Ergebniserwartungen erreicht wurden, fiel Amazon um 11%.
Mit seinen defensiven SPI-Schwergewichten Roche, Novartis und Nestlé dürfte der hiesige Markt von der Sektor-Rotation überdurchschnittlich profitieren.
Die heftige Korrektur im Rohstoffsektor kann schrittweise zum Aus- und Aufbau von Positionen genutzt werden. Hierbei stehen Kollektivanlagen (ETF) in Edel- (Gold) und Basismetalle (Kupfer) sowie Goldminenunternehmen an erster Stelle. Die stetig steigenden Angebotsdefizite in diesem Bereich werden auch in den kommenden Monaten und Jahren nicht verschwinden und daher ein stabiles Fundament bilden.
Obligationen: Untergewichtung; 4 – 8-jährige Laufzeiten bevorzugen
Aktien: Leichte Übergewichtung; Schweiz und USA bevorzugen
Währungen: USD/CHF über 0.80 absichern; EUR/CHF über 0.94 absichern
Rohstoffe: Industriemetalle übergewichten und Energie untergewichten
Edelmetalle: Gold übergewichten, Goldminenaktien attraktiv
Immobilien: Übergewichtung (Anlagestiftungen, Immobilienfonds)
Transaktionen: Aktien:- ; Obligationen: -
Sektoren: Übergewichtung Gesundheit, nicht-zyklischer Konsum, Versorger.
Matthias Wirz, 09. Februar 2026