Aufhebung des weltweiten „Lockdowns“ beflügelt Aktienmärkte

Die Beendigung des weltweiten Lockdowns und historisch einmalig grosse Konjunkturpro-gramme haben die Aktienmärkte auch diese Woche angetrieben. Der S&P 500 stieg um 2.5%, die europäischen Märkte sogar 5% bis 10% und die Schweiz um 2%. Die abnehmende Risiko-aversion der Anleger resultierte in zunehmenden Kapitalflüssen in die bisher zurückgebliebenen europäischen Aktienmärkte, wobei vor allem zyklische und „klassische“ Industriewerte gefragt waren. Andererseits hat die Nachfrage nach sicheren Staatsanleihen abgenommen, wodurch die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen von 0.65% auf 0.85% angestiegen ist. 

Die jüngsten Konjunkturdaten sind weniger schlecht als befürchtet ausgefallen und haben da-durch die Stimmung der Investoren zusätzlich aufgehellt. Zum einen haben sich die Einkaufs-managerindizes (PMI) der Industrieländer im Mai deutlich von ihren Tiefstwerten gelöst und dürften sich mit der Aufhebung des Lockdowns weiter erholen. Zum anderen hat sich der durch die Coronakrise schwer belastete amerikanische Arbeitsmarkt zuletzt auf tiefem Niveau stabili-siert, wobei temporär gekündigte Arbeitnehmer wieder schrittweise eingestellt werden. Der Beschäftigungsbericht für Mai bestätigt diese Annahme, indem überraschenderweise 2.5 Mio. Stellen (wieder) besetzt wurden. Die Arbeitslosenquote sank gleichzeitig von 14.7% auf 13.3%.

In Europa ist der Expansionsgrad der Fiskal- und Geldpolitik nochmals erhöht worden. So hat die deutsche Regierung einem Konjunkturpaket im Umfang von EUR 130 Mrd. zugestimmt, um die Konsumausgaben und die Unternehmensinvestitionen anzukurbeln.
Die Europäische Zentralbank (EZB) wiederum hat ihre Leitzinsen zwar unverändert beibehalten, dafür aber das Wertpapierkaufprogramm (PEPP) um EUR 600 Mrd. aufgestockt und damit die Erwartungen deutlich übertroffen. Gleichzeitig wurde die Laufzeit des nun EUR 1.35 Mrd. schweren PEPP bis Juni 2021 verlängert. Das sind gute Neuigkeiten für die durch die Corona-krise schwer getroffenen Euroländer Italien und Spanien. Mit dem PEPP wird sicher-gestellt, dass die langfristigen Zinsen auf tiefen Niveaus verharren und die Risikoprämien gegen-über Deutschland unter Kontrolle gehalten werden. Zusammen mit dem „Recovery“-Plan der EU, der EUR 750 Mrd. umfasst, dürfte die Eurozone spätestens in 2021 wieder deutlich wachsen.

An unserer vierteljährlichen Quartalssitzung haben wir entschieden, die neutrale Aktienquote beizubehalten. Die Aktienmärkte gehen zurzeit von einer V-förmigen Konjunkturerholung aus, welche jedoch von der Datenlage nicht gestützt wird. Zudem werden die Unternehmens-ergebnisse für das 2. Quartal ausserordentlich schlecht ausfallen, weshalb in den Sommer-monaten eine Konsolidierung zu erwarten ist. Allerdings hat die These, dass die Märkte den Gewinneinbruch als temporär einstufen, durchaus etwas für sich. Ein temporärer Gewinnein-bruch in diesem Jahr wird den Barwert aller zukünftigen Gewinne nicht wesentlich reduzieren, insbesondere nicht unter Berücksichtigung des tieferen Zinsniveaus und damit geringeren Diskontfaktors. Mittelfristig bleiben wir deshalb zuversichtlich für Aktienanlagen, während Anleihen unattraktiv bleiben.

Taktische Positionierung

Obligationen: untergewichten; mittlere Laufzeiten bevorzugen, Unternehmensanleihen übergewichten  
Aktien: neutral gewichten; Schweiz, Japan, Schwellenländer und USA neutral gewichten, Europa untergewichten
Währungen: USD/CHF, EUR/CHF und JPY/CHF teilweise absichern
Rohstoffe: neutral
Edelmetalle: Gold aufbauen
Immobilien: übergewichten (Anlagestiftungen, geschlossene Immobilienfonds) Transaktionen: Aktien: Kauf ROG, LONN, LOGN ; 
Obligationen: - 
Themen: IT/Software, Digital Healthcare, Pharma, Biotech

Anlagebericht vom 5. Juni 2020, Matthias Wirz