Finanzmarktausblick 2. Quartal 2021

Steigende Zinsen – eine Bedrohung für die Aktienmärkte?

Globale Konjunktur:

Dynamisches Wirtschaftswachstum in den USA – Stillstand in Europa

Der amerikanische Kongress hat im März das lange erwartete Hilfspaket verabschiedet, wobei die enorme Summe von USD 1'900 Mrd. etwa 8 % der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. Damit erhält nicht nur die US-Wirtschaft weiteren Schub, sondern auch der Rest der Welt profitiert über die Zunahme der Exporte in die USA.

Die seit Mitte Februar wieder steigenden Infektionszahlen in Europa , die deshalb erneut verschärften Restriktionen in vielen Ländern und Verzögerungen bei der Impfkampagnen führen zu gedämpfteren Wachstumserwartungen. Dadurch wird sich die Schere zwischen der Konjunkturentwicklung in den USA und Euroland vermutlich weiter ausweiten.


Unsere Anlagepolitik

Aktien:

Übergewichtung, Risiko fallender Kurse steigt und Rohstoffanlagen profitieren von der hohen Nachfrage


Wir haben die Übergewichtung der Aktienanlagen reduziert. Aufgrund des höheren Zinsniveaus, des erstarkten USD und der hohen Gewinnerwartungen steigen die Risiken.

Vor allem Wachstumstitel (u.a. Technologie) dürften unter ihrer hohen Zinssensitivität leiden. Wir bevorzugen deshalb zurzeit defensive Sektoren wie Basiskonsumgüter, Gesundheit und Versorger, wie sie auch in Indizes wie dem SMI, dem Dow Jones und dem FTSE 100 zu finden sind. Dagegen sollten Positionen in überteuerten Technologieaktien und zyklischen Sektoren reduziert werden. Aufgrund der tiefen Bewertung sind Basisrohstoff-Aktien interessant.


Obligationen:

starke Untergewichtung, höhere Inflationserwartungen belasten zusätzlich

Die riesigen Konjunkturpakete in den USA und Europa, bei gleichzeitig äusserst expansiver Geldpolitik, haben zu einem deutlichen Anstieg der Inflationserwartungen geführt. Diese belasten vor allem Anleihen mit langen Laufzeiten. Eine grosse Anzahl der Obligationen mit „Investment Grade“-Rating (mindestens BBB-) weisen inzwischen eine negative Verfallrendite aus und sind somit wenig attraktiv für Anleger.

Die Schwellenländeranleihen in Lokal- und Fremdwährungen sind eine der letzten interessanten Sektoren im Obligationenbereich. Sie bieten eine positive Rendite bei genügender Bonität.


Immobilien:

Übergewichtung, v.a. Wohnliegenschaften

Immobilienanlagen mit hohem Wohnanteil in der Schweiz sind weiterhin empfehlenswert. Sie erzielen eine stetige und attraktive Ausschüttungsrendite, auf allerdings hohem, bzw. überbewertetem Niveau. Zu meiden sind kommerzielle, konjunkturabhängige Immobilienanlagen.


Edelmetalle und Rohstoffe:

Übergewichtung, dank tiefer Bewertung und anziehender Preise

Der nahende globale Konjunkturaufschwung und die Energiewende führen zu steigenden Notierungen bei Industriemetallen. Kupfer, Eisen, Stahl und Nickel werden zunehmend knapper und teurer, weil das Angebot die steigende Nachfrage nicht deckt. Weiter anziehende Rohstoffpreise und die tiefen Bewertungen machen Rohstoffaktien attraktiv. Edelmetalle sind aufgrund der konjunkturellen Lage aktuell weniger attraktiv.


Währungen:

Ausweitung der Zinsdifferenz zu Europa führt zur Erstarkung des USD

Die zuletzt über Erwarten starken Konjunkturdaten in den USA und die Ausweitung der Zinsdifferenz gegenüber dem Euroraum bei langfristigen Obligationen hat zu einer Aufwertung des USD geführt. Wir rechnen damit, dass sich die Zinsdifferenz in den kommenden Monaten aufgrund der verzögerten Konjunkturerholung in Europa noch weiter zugunsten des USD vergrössert. Damit wird die Dollarstärke vorerst anhalten. Ausserdem sollte das absehbare Ende der Corona-Pandemie den CHF und JPY als „Safe Haven“ schwächen und dagegen den EUR stärken.


Die grössten Risiken für unsere Anlagestrategie

Die folgenden Szenarien beschreiben die aus unserer Sicht zwar möglichen, aber für uns wenig wahrscheinlichen wirtschaftlichen Entwicklungen. Sie geben einen Hinweis, welche Konsequenzen solch unerwartete Szenarien auf unsere aktuelle Anlagestrategie hätten.

„Boom & Bust“-Szenario

Die dynamische Konjunkturerholung in USA und Asien sowie der gewaltige Fiskalimpuls dank der gesprochenen Rettungspaketen in der Höhe von mehreren 1'000 Milliarden Dollar treiben das globale Wirtschaftswachstum in diesem und im nächsten Jahr übermässig an. Zusammen mit der gleichzeitig äusserst expansiven Geldpolitik steigen die Inflationsraten wider Erwarten über die Toleranzschwellen an und die Notenbanken stoppen beispielsweise die Anleihekäufe frühzeitig. Damit verbunden wären grössere Verluste auf den Obligationen-, Immobilien- und Aktienmärkten.

Anhaltender Lockdown oder „Hin- und Her“ bei Lockerungsschritten

Wiederkehrende Corona-Wellen aufgrund von Virusmutationen, schlechter Massnahmensteuerung und wenig wirksamen Impfstoffen führen zu fehlender Planungssicherheit der Wirtschaft. Der Konsum bleibt verhalten und die stetig steigenden Staatsausgaben verlieren an Wirksamkeit. In der Folge bleiben die Zinsen zwar aufgrund der Anleihekäufe der Zentralbanken vorerst tief, eine wirtschaftliche Erholung ist aber aufgeschoben. Dies führt zu weiteren Kursverlusten insbesondere bei konjunktursensitiven Anlagen und letztlich einem Vertrauensverlust in die eigene Währung und Regierung. Die Folge wären letztlich eine Konkurswelle und entsprechende Verluste auf Unternehmensanleihen und Aktien.


31.03.2021 / Matthias Wirz