Finanzmarktausblick 3. Quartal 2020

Lockdown aufgehoben: U- oder V-förmiger Verlauf der Konjunkturerholung?

Globale Konjunktur:

Die Aktienmärkte gehen zurzeit von einer V-förmigen Konjunkturerholung aus, welche jedoch von der Datenlage bisher kaum gestützt wird. 

Die Unternehmensergebnisse für das zweite Quartal werden ausserordentlich schlecht ausfallen, weshalb in den Sommermonaten mit einer Konsolidierung an den Aktienmärkten zu rechnen ist.

Allerdings ist der heftige Gewinneinbruch der Unternehmen als temporär einzustufen, sodass wir für Aktienanlagen auf mittlere Frist positiv bleiben.

 


Unsere Anlagepolitik

Aktien:

Vermögensanteil (Gewichtung) gemäss langfristiger Strategie, dividendenstarke Titel aus konjunkturdefensiven Branchen

Nach den fulminanten Kursgewinnen in den letzten Wochen erreichen die Aktienmärkte erneut eine hohe Bewertung. Diese lässt sich allein mit der Annahme rechtfertigen, dass die Märkte gleichsam „durch die Corona-Krise ins nächste Jahr hindurchblicken“ und eine schnelle, V-förmige Erholung der Weltwirtschaft unterstellen. Damit sollten sich auch die Unternehmensergebnisse im nächsten Jahr wieder signifikant erholen. Ein temporärer Gewinneinbruch in diesem Jahr ist für die langfristige Bewertung nicht massgebend. Wichtiger ist das anhaltend tiefe Zinsniveau, das den Barwert aller zukünftigen Gewinne hoch hält. Wir empfehlen unverändert defensive Sektoren (Pharma, Biotechnologie, Basis-Konsum, IT & Software, Versorger), meiden aber zyklische Industrie- und Finanzwerte.

Obligationen:

Untergewichtung, Unternehmensanleihen guter Bonität

Die Angst der Anleger vor Verlusten führte zu einer panikartigen Flucht aus risikotragenden Anlageklassen in Liquidität – insbesondere aus Unternehmensanleihen. Mit den breit angelegten Anleihekäufen der Notenbanken wird sich der Obligationenmarkt weiter stabilisieren und die Aufschläge für Kreditrisiken werden sinken. Zurzeit bieten kurzlaufende Unternehmensanleihen guter Bonität im Vergleich zu Staatsanleihen eine attraktive Verzinsung.

Immobilien:

Übergewichtung, v.a. Wohnliegenschaften

Sinkende Mieteinnahmen und steigende Leerstände als Folge der Corona-bedingten Rezession werden in erster Linie kommerzielle Immobilien treffen und weniger Wohnimmobilien. Die kotierten Immobilienfonds mit hohem Wohnanteil sind seit März wieder erstarkt und sollten sich infolge der beständig tiefen Zinsen auch in den nächsten 6 Monaten positiv entwickeln. Weiterhin sind direkte Immobilienanlagen und Immobilien-Anlagestiftungen zu bevorzugen, da sie die Volatilität an den Finanzmärkten kaum mitmachen.

 

Edelmetalle und Rohstoffe:

Halten, Goldanlagen aufgrund von Negativzinsen attraktiv

Die Opportunitätskosten der Goldhaltung sind durch die massiv expansive Geldpolitik der Notenbanken weiter gesunken. Negativzinsen, Diversifikation der Vermögensstruktur und Angst vor Inflation und Währungskrisen sind demzufolge die Haupttreiber für die zunehmende Goldnachfrage. Wir erwarten weiterhin steigende Goldpreise. Nach dem scharfen Einbruch des Ölpreises Mitte April bewirkten die starken Produktionskürzungen und die wieder zunehmende Nachfrage aus China eine Trendumkehr. Es ist deshalb in den nächsten Monaten mit weiter steigenden Ölpreisen zu rechnen.

 

Währungen:

CHF wertet sich weiterhin auf

Der CHF hat sich zwar gegenüber dem EUR von 1.05 auf 1.07 leicht abgeschwächt. Aufgrund der äusserst expansiven Geldpolitik des FED verliert der USD gegenüber dem CHF hingegen kontinuierlich an Wert, weshalb der CHF handelsgewichtet weiterhin auf hohem Niveau notiert. 


Die grössten Risiken für unsere Anlagestrategie

Eine mögliche zweite Corona-Welle im Herbst, ohne dass ein Impfstoff oder wirksame Medikamente zur Verfügung stehen, dürfte (mindestens) zu regional begrenzten Lockdowns führen und folglich das Konsumenten- und Investorenvertrauen nachhaltig schwächen.

Die langfristigen Wachstumsperspektiven verschlechtern sich, da das Produktivitätswachstum der Wirtschaft nachhaltig tiefer liegen könnte als vor der Corona-Krise. Als Hauptgrund hierfür ist die turmhohe Staatsverschuldung vieler Länder anzuführen, welche zu steigenden Staats- und Steuerquoten führt. Dazu würde ein beeinträchtigtes Geschäftsvertrauen in einer anhaltend niedrigen Investitionsneigung des privaten Sektors resultieren.

30.6.2020 / Matthias Wirz