Finanzmarktausblick 4. Quartal 2020

Es bahnt sich eine V-förmige Konjunkturerholung an

Globale Konjunktur:

Die jüngst veröffentlichten weltweiten Konjunkturdaten sprechen für eine schnelle V‑förmige Konjunkturerholung

Indizien für ein Ende der Corona-bedingten Rezession liefern die stark erholten Einkaufsmanagerindizes, die tiefe Lagerhaltung, die zunehmende Dynamik beim Bestellungseingang in den USA sowie die positiven Signale im Arbeitsmarkt.

Wir rechnen auch in den übrigen Industrieländern und den grossen Schwellenländern mit einer robusten Wachstumserholung.





Unsere Anlagepolitik

Aktien:

Übergewichtung, Risikoprämien (Gewinnrendite geteilt durch Verzinsung der Anleihen) sind in den USA und Europa weiterhin attraktiv

Aktienanlagen bleiben weiterhin unsere bevorzugte Anlageklasse, obwohl die Bewertungen im 3. Quartal weiter leicht gestiegen sind und gemessen an den Kurs-Gewinn-Verhältnissen hohe Niveaus erreicht haben. Zudem dürften kurzfristig die bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen und der vor allem in Wahljahren historisch schwache Börsenmonat Oktober für erhöhte Unsicherheit bei den Anlegern sorgen.

Obligationen:

Starke Untergewichtung, selektiv Unternehmensanleihen guter Bonität

Aufgrund der bereits einmalig niedrigen, in Europa teilweise negativen Zinsen sind mit Anleihen kaum mehr Kapitalgewinne erzielbar. Einzig hochverzinsliche Unternehmens- und Schwellenländeranleihen bieten noch überdurchschnittliche Verfallsrenditen, bei allerdings hohem Risiko. Wir empfehlen deshalb, nur noch selektiv Unternehmensobligationen guter Bonität zu kaufen.

Immobilien:

Übergewichtung, v.a. Wohnliegenschaften

Der Immobilienmarkt hat die Corona-Pandemie bisher unbeschadet überstanden. Das gilt aber für den Wohnungsmarkt und weniger für kommerziell genutzte Liegenschaften. Die unsichere wirtschaftliche Lage spricht weiterhin für direkte Immobilienanlagen und Immobilien-Anlagestiftungen, welche überwiegend im Wohnungsmarkt aktiv sind.

Edelmetalle und Rohstoffe:

Halten, Goldanlagen bleiben attraktiv

Die Opportunitätskosten der Goldhaltung sind auch im 3. Quartal durch die massiv expansive Geldpolitik der Notenbanken weiter gesunken. Der Goldpreis wird weiterhin von den in den negativen Bereich sinkenden realen Renditen und einem schwächeren USD profitieren. Die weit verbreitete Unsicherheit der Anleger spricht zusätzlich für Gold als Anlageklasse. Mit der weltweiten Konjunkturerholung dürfte sich die Nachfrage nach Energie deutlich erhöhen und damit dem Ölpreis und Aktien im Energiesektor Auftrieb geben.

Währungen:

CHF wertet sich weiterhin auf

Der markante Rückgang der Zinsdifferenz zwischen USD- und Euroraum wird den Druck auf den USD hochhalten, weshalb wir eine teilweise Absicherung der Dollarbestände weiterhin empfehlen. Der CHF bleibt ein Hort der Sicherheit und dürfte nur in einem ausnehmend positiven globalen Wachstumsszenario an Wert verlieren.


Die grössten Risiken für unsere Anlagestrategie

Eine mögliche zweite Corona-Welle mit entsprechend drastischen Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie sowie enttäuschte Erwartungen an eine zeitnahe Verfügbarkeit von Impfstoffen oder wirksamer Medikamente erhöhen bei den Marktteilnehmern die Unsicherheit bezüglich Wirtschaftsentwicklung. Die V-förmige Erholung ebbt rasch wieder ab und die Märkte korrigieren entsprechend.

Die staatlichen Rettungspakete verursachten in vielen Ländern hohe Staatsdefizite, welche nun durch die Notenbanken mitfinanziert werden. Durch den Ankauf von Staatsanleihen in grossem Umfang monetarisieren sie die Staatsschulden. Dadurch wird das Vertrauen in die Währungsstabilität strapaziert. Langfristig werden schmerzhafte Korrekturen der Fiskal- und Geldpolitik notwendig sein. Die damit verbundene Unsicherheit führt zu höheren Teuerungsraten, sinkender Investitionstätigkeit und einem tiefen Produktivitätswachstum, wodurch Stagflation droht.


30.9.2020 / Matthias Wirz