China im Normalmodus stützt die Weltwirtschaft

Zusammenfassung

Die Aktienmärkte, gemessen am MSCI-Weltaktienindex, sind Mitte März aus ihrer Seitwärtsbewegung ausgebrochen und erreichten seither wiederholt neue Allzeit-Höchststände. Die in vielen Ländern bis weit in 2022 andauernde expansive Geld- und Fiskalpolitik sowie die erfolgreich gestartete Berichterstattung der Unternehmen zum 1. Quartal 2021 sind wesentliche Treiber für die – wider Erwarten -positive Trendwende an den Aktienmärkten.

Aktuelle Situation

Ausserdem haben erneute Bedenken zu den Impfstoffen von Astra Zeneca und Johnson & Johnson die Nachfrage nach «Corona-Gewinner-Aktien» neu entfacht. Diese sind als Wachstums- resp. Technologietitel mit hohem Gewicht im Nasdaq vertreten und haben zusätzlich vom überraschend deutliche Rückgang der 10-jährigen USD-Staatsanleiherendite von 1.73% auf 1.58% profitiert.

Der massive Gewinnanstieg im 1. Quartal von JP Morgan auf USD 14.3 Mrd. ist auf die hervorragend laufende Handelssparte und den Abbau der Kreditrückstellungen auf noch um USD 5.2 Mrd. zurückzuführen. In der Annahme, dass die Mehrzahl der weltweit tätigen Banken von dieser Entwicklung ähnlich profitiert, dürfte der gesamte Finanzsektor innerhalb des Weltaktienindex in den kommenden Wochen eine überdurchschnittliche Performance erzielen. Im Weiteren reflektieren sinkende Kreditrückstellungen die verbesserten Konjunkturaussichten und könnten bei Unternehmensanleihen im hochverzinslichen Bereich zu weiter sinkenden Risikoprämien führen.

Die global zweitgrösste Volkswirtschaft China ist mit «viel Dampf» ins neue Jahr gestartet wie das Wirtschaftswachstum von +18.3% im 1. Quartal aufzeigt. Die Regierung spricht dennoch von einem fragilen globalen Umfeld und wird daher die Wirtschaft auch in den kommenden Monaten stützen. Zumindest signalisiert der Einkaufsmanagerindex in der Industrie (PMI) mit Werten deutlich über 50 eine Fortsetzung des positiven Wachstumstrends, auch wenn sich die Dynamik gegenüber dem starken zweiten Halbjahr 2020 leicht abgeschwächt hat. Ein wichtiger Stützungsfaktor für die Industrie bleibt die positive Entwicklung der Exporte. Da die Importe trotz hoher Vergleichsbasis noch stärker gestiegen sind, bleibt die Nachfrage aus China ein stabilisierender Faktor für die Weltwirtschaft.


Die deutsche DEKA-Bank hat die Entwicklung der monetären Bedingungen in der Eurozone anhand verschiedener Finanzmarktindikatoren modelliert. Sie ist dabei zum Schluss gekommen, dass die monetären Bedingungen auf dem Höhepunkt der Coronakrise im Vergleich zur Finanzkrise 2008/2009 und der Euro-Krise 2011/2012 weitaus entspannter geblieben sind. Das schnelle und entschiedene Eingreifen der Zentralbanken und der Fiskalpolitik waren folglich wichtige Faktoren für den begrenzten «Finanzmarktstress» und die V-förmige Konjunkturerholung.

Unsere Empfehlung

Wir sind zwar weiterhin leicht übergewichtet in Aktienanlagen, bleiben aber bei Neuengagements eher zurückhaltend. Die hohen Bewertungen und die stark angestiegene Zuversicht der Anleger, sowie Übertreibungen bei Krypto-Währungen mahnen uns zur Vorsicht und sind Vorboten einer zeitnahen Konsolidierung an den Aktienmärkten.

Taktische Positionierung

Obligationen: untergewichten; mittlere Laufzeiten bevorzugen, Unternehmensanleihen übergewichten
Aktien: Abbau Übergewichtung; Schweiz, UK übergewichten USA und Japan neutral gewichten, Europa und Schwellenländer untergewichten
Währungen: USD/CHF über 0.93 und EUR/CHF über 1.11 teilweise absichern
Rohstoffe: Industriemetalle übergewichten
Edelmetalle: Gold neutral, Silber und Platin übergewichten
Immobilien: übergewichten (Anlagestiftungen, geschlossene Immobilienfonds)
Transaktionen: Aktien: Obligationen:
Themen: Healthcare, Consumer Staples, Utilities

16.04.2021 / Matthias Wirz