Corona überrollt Europa – enges Rennen um US-Präsidentschaft

Zusammenfassung

Nachdem Deutschland und Frankreich die erwarteten Lockdowns bis Anfang Dezember beschlossen haben, dürften

weitere Länder in Europa folgen. Entsprechend ist die Nervosität an den Aktienmärkten stark angestiegen, wobei in den letzten fünf Tagen Kursverluste von minimal 2.5% in Asien und maximal 8.5% in Deutschland verzeichnet wurden. Die Schweiz und die USA lagen mit einem Rückgang von rund 4% in der Mitte.


Aktuelle Situation

In Anbetracht der exponentiellen Zunahme der Infektionszahlen und der negativen Wirkung der Lockdowns dürfte das Wirtschaftswachstum im 4. Quartal in Europa erneut einen Knick erfahren. Dieser dürfte aber geringer ausfallen als noch im Frühjahr, da der Stillstand diesmal weniger Branchen trifft und auch die Lieferketten nicht unterbrochen werden. Zudem hat Deutschland zusätzliche, erhebliche fiskalische Unterstützungen in Höhe von EUR 10 Mrd. für kleine Unternehmen und die Ausdehnung des Kurzarbeitergeldes beschlossen.

Gleichzeitig hat sich der Druck auf die EZB erneut stark erhöht, wie sich an den Aussagen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde ablesen lässt. Da sich mit den rasch zunehmenden Corona-Fallzahlen und der Verschärfung der Eindämmungsmassnahmen die kurzfristigen Konjunkturperspektiven „unverkennbar verschlechtert haben“, hat Lagarde für die Dezember-Sitzung „weitergehende geldpolitische Massnahmen“ angekündigt. Es ist daher mit einer erheblichen Aufstockung der Anleihekäufe und Verlängerung der Laufzeiten zu rechnen.

In den USA zeichnet sich nun doch noch ein enges Rennen um die Präsidentschaft ab. Zwar belasten die im mittleren Westen der USA (Pennsylvania, Michigan, Wisconsin) stark steigenden Infektionszahlen die Chancen für Trumps Wiederwahl, weshalb Umfragen in diesen Staaten auch einen zunehmenden Vorsprung Bidens zeigen. Andererseits schrumpfte der Vorsprung Bidens in den äusserst wichtigen, wahlentscheidenden „Swing States“ North Carolina, Arizona und Florida fast vollständig zusammen.

Unsere Empfehlung

Mit den erheblichen Kursverlusten der letzten Tage sind die wichtigsten Aktienmärkte auf „ausverkauften“ Niveaus angelangt. Somit spricht kurzfristig Einiges für eine Stabilisierung, welche je nach Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen in einer Erholungsrallye bis Ende Jahr münden müsste. In einem positiven Szenario mit einem klaren Wahlergebnis zugunsten von Biden oder Trump dürften die Aktienmärkte grössere Kursgewinne erzielen wie mit einem knappen Resultat, das Nachzählungen und Gerichtsverfahren zur Folge hätte. Im zweiten negativen Szenario, „Biden-Split“ - Biden wird Präsident, der Senat verbleibt in republikanischer Hand -wäre ein W-förmiger Verlauf möglich, das heisst eine Kurserholung gefolgt von einem erneuten Einbruch. Im „Biden-Split Szenario“ würde das im Kongress seit längerem angedachte Konjunkturpaket von über USD 2‘000 Mrd. nur verzögert oder in kleinerem Umfang realisiert werden und wiederholt für Verunsicherung an den Finanzmärkten sorgen. Andererseits wären die von den Demokraten geplanten Steuererhöhungen für Unternehmen und vermögende Amerikaner kaum durchsetzbar.

Taktische Positionierung

Obligationen: untergewichten; mittlere Laufzeiten bevorzugen, Unternehmensanleihen übergewichten
Aktien: Schweiz, USA, Japan übergewichten Schwellenländer neutral gewichten, Europa untergewichten
Währungen: USD/CHF EUR/CHF teilweise absichern
Rohstoffe: neutral
Edelmetalle: Gold neutral
Immobilien: übergewichten (Anlagestiftungen, geschlossene Immobilienfonds)
Transaktionen: Aktien: - ; Obligationen: 7/8% Nant de Drance 2029
Themen: IT/Software, (Digital) Healthcare, Pharma, Biotech

Matthias Wirz, 30. Oktober 2020