Corona-Impfstoff von BioNTech/Pfizer beflügelt die Aktienmärkte

Zusammenfassung

Die Wahl Joe Bidens zum neuen US-Präsidenten und die guten Nachrichten von der Impfstofffront haben

diese Woche an den Finanzmärkten für kräftige Kursgewinne aller risikotragenden Anlageklassen gesorgt. Grosse Gewinner an den Aktienmärkten waren für einmal die eher zyklischen Märkte in der Eurozone (+6%) und in Japan (+4.5%). Dagegen erreichten die Kursavancen in den USA für einmal eher bescheidene 1%, in der Schweiz und den Schwellenländern 1.5%. Gleichzeitig sanken auf den Obligationenmärkten die Kreditrisikoprämien beinahe wieder auf das Vor-Corona Niveau.


Aktuelle Situation

Nichtsdestotrotz drücken die aktuell sehr hohen Infektionszahlen in den USA und Europa auf die Anlegerstimmung. Dies lässt die Nervosität an den Risikomärkten wiederholt ansteigen und hat gegen Ende Woche bereits zu Gewinnmitnahmen geführt. Allerdings dürften allfällige Korrekturen von Anlegern als erneute Kaufgelegenheit wahrgenommen werden, auch weil nach BioNTech/Pfizer das US-Unternehmen Moderna ebenfalls grosse Fortschritte in der Impfstoffentwicklung verkündet hat.

In der EU werden gemäss Aussagen des EU-Wirtschaftskommissars Gentiloni die Haushaltsregeln der EU bis ins Jahr 2022 ausgesetzt werden, sodass die Mitgliedstaaten die entsprechenden Freiräume haben, die Konjunktur mit weiteren „Rettungspaketen“ zu unterstützen. Allerdings besteht dadurch die Gefahr, dass die Politik nach der Krise die massiv höhere Verschuldung einiger Länder (z. B. in Italien 160% des BIP!) nicht reduzieren wird, da die schuldenfinanzierten Mehrausgaben zu 0 % oder mit negativer Rendite finanziert werden können. Diese Annahme wird auch durch die jüngsten Aussagen der EZB-Präsidentin Lagarde untermauert, dass die „expansiven Impulse der EZB so lange anhalten müssen, bis die Konjunktur eigenes Momentum aufbaut“. Zwangsläufig heißt dies, dass die EZB bereit ist, ein Überschießen der Inflationsrate zu tolerieren und die Leitzinsen noch mehrere Jahre bei 0% zu halten. Lagarde betonte zudem, dass zur Umsetzung vor allem Anleihekäufe und grossvolumige Kreditfazilitäten der Geschäftsbanken bei der EZB (TLTRO) die zentralen Instrumente bleiben werden. Vor allem eine erneute zeitliche Ausweitung der TLTROs zu ultra-günstigen Konditionen (z. B. 0.50% unter Einlagensatz) wird als positiv für die Aktienmärkte gesehen.

Unsere Empfehlung

Nach den US-Präsidentschaftswahlen und des höchstwahrscheinlichen „Biden-Split“-Szenarios rechnen wir mit einer Aktienrallye, die bis Ende Jahr andauern dürfte. Entsprechend haben wir die Übergewichtung der Aktienanlagen jüngst ausgebaut. Kurzfristig dürfte es jedoch angesichts der fulminanten Kursgewinne der letzten Tage zu einer Konsolidierung kommen.

Dank des zeitnah verfügbaren Impfstoffes von BioNTech/Pfizer und ev. auch von Moderna dürften die Konjunkturaussichten und Gewinnerwartungen der Unternehmungen für das nächste Jahr deutlich nach oben angepasst werden. Für die zurückgeblieben Sektoren (u.a. Industrie, zyklischer Konsum, Banken & Versicherungen) ist deshalb mit einer überdurchschnittlichen Performance zu rechnen.

Taktische Positionierung

Obligationen: untergewichten; mittlere Laufzeiten bevorzugen, Unternehmensanleihen übergewichten
Aktien: Schweiz, USA, Japan übergewichten Schwellenländer und Europa neutral gewichten
Währungen: USD/CHF EUR/CHF teilweise absichern
Rohstoffe: neutral
Edelmetalle: Gold neutral
Immobilien: übergewichten (Anlagestiftungen, geschlossene Immobilienfonds)
Transaktionen: Aktien: - ; Kauf iShares SMIM, LOGN, LONN; Obligationen: Kauf 1 ¾% Helvetia perp./2028
Themen: IT/Software, (Digital) Healthcare, Pharma, Biotech

Matthias Wirz, 13. November 2020