Das neue Jahr beginnt wie das alte aufgehört hat: mit steigenden Aktienkursen!

Zusammenfassung

Starke chinesische Handelszahlen und Autoverkäufe im Dezember, positive Nachrichten zur Wirksamkeit des Impfstoffs von Johnson & Johnson sowie die Erwartungen auf ein weiteres großes Konjunkturpaket in den USA führten auch im neuen Jahr zu Kursgewinnen an den Aktienmärkten.

Während der S&P 500 und SMI mit 1.1% und 1.4% eher bescheidene Kursgewinne verzeichneten, legten der Nikkei und der FTSE 100 um eindrückliche 4.5% zu. Die deutliche Verschlechterung an der Corona-Front mit Lockdowns in den meisten europäischen Ländern haben die Märkte bisher kaum negativ beeinflusst.

Aktuelle Situation

Die jüngste Rede des designierten neuen US-Präsidenten Joe Biden hat mehr Klarheit über das geplante Ausgabenpaket gebracht. Auch wenn die genannte Zahle von USD 1’900 Mrd. kaum eine Mehrheit im Senat finden würden, dürfte ein Paket von etwas über USD 1’000 Mrd. realistisch sein. Vor allem Punkte wie die Anhebung des Mindestlohns sowie Hilfen für Bundesstaaten und Städte sind bei Republikanern umstritten. Ebenso Hinweise, dass Biden Steuererhöhungen zur Finanzierung der Ausgaben plant.

Da die Pläne Bidens zu höheren Inflationserwartungen führen und schon bald eine «Tapering-Diskussion» (Reduktion Anleihekäufe) anstoßen könnte, ist die Stimmung auf dem Obligationenmarkt nervös. Allerdings beruhigte der Vorsitzende der amerikanischen Notenbank (FED) Jerome Powell, dass es zu früh ist, um über einen Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik zu diskutieren. Entsprechend dürften die langfristigen USD-Zinsen in den kommenden Wochen wieder fallen.

In Italien hat der Rücktritt von drei Ministern aus der italienischen Regierung eine erneute Regierungskrise entfacht. Ob es Ministerpräsident Conte nach dem Ausscheiden der Partei «Italia Viva» schaffen wird, eine neue Mehrheit im Parlament zu finden, ist offen. Allerdings bleiben vorgezogene Neuwahlen, die nur Staatspräsident Mattarella ausrufen kann, unwahrscheinlich. Entsprechend begrenzt sollten die Auswirkungen auf die Risikoprämien italienischer Staatsanleihen sein, umso mehr als die Nachfrage nach neuen italienischen und spanischen Regierungsanleihen enorm gross ist, wie die bis zu zehnfachen Überzeichnungen zeigen. Preistreibend (zinssenkend) wirken dabei vor allem die Käufe der Europäischen Zentralbank (EZB). Zusätzlich betonte EZB-Chefin Lagarde, dass auf frühe Zeichen einer wirtschaftlichen Erholung nicht mit vorzeitigen restriktiven fiskal- und geldpolitischen Signalen reagiert werden sollte.

Unsere Empfehlung

Nach den erfreulichen Kursgewinnen an den Aktienmärkten in den letzten Wochen reduzieren wir die Aktienquote in den Portfolios. Zum einen sind die Märkte technisch überkauft und die Anlegerstimmung fast schon euphorisch, zum anderen wird es schwieriger für die Konjunkturindikatoren, positiv zu überraschen. Zudem schadet die Wiedererstarkung des USD vor allem US- und Schwellenländer-Aktien. Auch ist anzunehmen, dass die negativen Folgen der neuerlichen Lockdowns noch nicht vollständig in den Konjunkturprognosen enthalten sind. Entsprechend wird die Quote im Nasdaq, Schwellenländern und Small & Mid Caps abgebaut.

Taktische Positionierung

Obligationen: untergewichten; mittlere Laufzeiten bevorzugen, Unternehmensanleihen übergewichten
Aktien: Abbau Übergewichtung; Schweiz übergewichten, USA neutral gewichten, Europa und Schwellenländer untergewichten
Währungen: USD/CHF und EUR/CHF teilweise absichern
Rohstoffe: neutral
Edelmetalle: Gold neutral
Immobilien: übergewichten (Anlagestiftungen, geschlossene Immobilienfonds)
Transaktionen: Aktien: Abbau EQQQ, SMIM, Emma, DAX
Themen: Healthcare, Consumer Staples, Utilities, Biotech, IT/Software

15.01.2021 / Matthias Wirz