Ist der Inflationsanstieg in den USA von kurzer Dauer?

Zusammenfassung

Nach dem Renditeanstieg Anfang Woche konnten sich die Obligationenmärkte zuletzt wieder etwas erholen, da schwächere Aktienmärkte, eine erfolgreiche Auktion von 10-jährigen US-Staatsanleihen und ein eher vorsichtiges «Beige Book» Unterstützung lieferten.

Die unterschiedlichen Aussagen von Vertretern der amerikanischen Notenbank (FED) zur Geldpolitik dürften dennoch zu erhöhter Volatilität an den Anleihemärkten führen.

Aktuelle Situation

Nicht unerwartet sind die Aktienmärkte in eine Konsolidierungsphase eingetreten. Als Gründe werden überhöhte Bewertungen, die Unsicherheit über den Beginn des «Tapering» durch das FED, die negative Saisonalität sowie schwächeres Wachstum durch erneut mögliche Lockdowns und Reiserestriktionen angeführt. Alle ins Feld geführten Punkte haben ihre Berechtigung, sind aber seit längerem bekannt. Bemerkenswert ist ausserdem, dass bei einer Korrektur der US-Märkte die negative Reaktion an den europäischen Aktienmärkten fast immer heftiger ausfällt.

Die Europäischen Zentralbank (EZB) hat sich nach ihrer Sitzung diese Woche vorsichtig geäussert: Zum einen wird das Anleihekaufprogramm aufgrund des fortgeschrittenen Wirtschaftsaufschwungs zwar moderat reduziert, doch könnte die schnelle Ausbreitung der «Delta-Variante» die vollständige Konjunkturerholung stören. Der Anstieg der Inflationsrate über den Zielwert von 2% wird als vorübergehend eingestuft, da dieser überwiegend auf den Anstieg des Ölpreises, die Rücknahme der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung in Deutschland und auf den durch Lieferengpässe entstandenen Kostendruck zurückzuführen ist.

Das «Beige Book» des FED stellt aufgrund der «Delta-Variante» und anhaltender Angebotsengpässe eine nachlassende Dynamik der amerikanischen Wirtschaft fest. Der jüngste JOLTS-Report, welcher die offenen Stellen in den USA aufzeigt, signalisiert zurzeit eine Rekordzahl an Stellenangeboten. Demnach passt dieser nur bedingt zum Arbeitsmarktbericht von letzter Woche, welcher einen zögerlichen Beschäftigungsanstieg zeigte.

Der S&P 500 hat dieses Jahr schon über 50 Mal ein neues Allzeithoch erreicht, bei gleichzeitig grosser Konstanz und geringen Verlustphasen. Seit der US-Präsidentschaftswahl 2020 und der Information über wirksame Corona-Impfungen Anfang November hat der S&P 500 nie mehr als 5% verloren. Die äusserst expansive Geldpolitik des FED und die kräftig steigenden Unternehmensgewinne sind hierfür die Hauptursachen. In den letzten Jahren kam es zwar mehrfach zu scharfen Korrekturen der US-Aktienmärkte, allerdings waren diese meistens nur von kurzer Dauer.

Unsere Empfehlung

Wir haben an unserer vierteljährlich stattfinden Sitzung des Anlageausschusses diese Woche entschieden, unverändert an der Übergewichtung der Aktienanlagen festzuhalten. Ökonometrische Analysen unseres Ausschussmitglieds Prof. Dr. Kugler bestätigen die Erwartung des FED, dass der Inflationsanstieg auf bis zu 5.4% in den USA bloss temporärer Natur sein wird. Die Teuerungszunahme ist zwar etwas stärker und länger anhaltend als ursprünglich erwartet, doch fällt die Inflationsrate im 2. Halbjahr 2022 wieder auf unter 3% zurück. Damit gerät das FED kaum «behind the curve» und kann behutsam ihre Anleihekäufe reduzieren, ohne die Finanzmärkte negativ zu überraschen. Folglich bleibt das allgemeine Zinsniveau extrem niedrig und begünstigt dadurch Aktienanlagen. Geringfügige Korrekturen sind demzufolge auch gute Einstiegszeitpunkte.

Taktische Positionierung

Obligationen: Untergewichten; mittlere Laufzeiten bevorzugen, Unternehmensanleihen übergewichten
Aktien: Übergewichtung; Schweiz, UK übergewichten USA , Japan, Europa und Schwellenländer neutral gewichten
Währungen: USD/CHF über 0.90 und EUR/CHF über 1.09 teilweise absichern
Rohstoffe: Industriemetalle übergewichten
Edelmetalle: Gold neutral, Silber und Platin übergewichten
Immobilien: Übergewichten (Anlagestiftungen, Immobilienfonds)
Transaktionen: Aktien: -; ;Obligationen: -
Themen: Sektoren Gesundheit (Healthcare), Technologie, nicht-zyklischer Konsum


10.09.2021 / Matthias Wirz