Die endlich anlaufende Impfkampagne in Europa verbessert die Stimmung

Zusammenfassung

Die sich abzeichnende deutliche Beschleunigung der Impfkampagne in der EU in Kombination mit der Ankündigung des amerikanischen Präsidenten Biden in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit die Zahl der Impfungen in den USA auf 200 Millionen zu verdoppeln, hat zu einem freundlichen Wochenausklang an den Aktienmärkten geführt.

Allein Deutschland soll in den kommenden vier Wochen 15 Millionen Impfdosen erhalten, verglichen mit 14 Millionen Impfdosen im gesamten ersten Quartal. Für das zweite Quartal liegen die Schätzungen für Deutschland bei etwa 70 Millionen und für die gesamte EU bei über 300 Millionen.

Aktuelle Situation

Die gesteigerten Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigen Wirkung, indem sich die langfristigen Renditen deutscher Staatsanleihen nach dem jüngsten Anstieg wieder zurückgebildet haben. Gleichzeitig ist die Realrendite 10-jähriger Bunds infolge steigender Inflationserwartungen auf -1,71 % und damit auf ein neues Allzeittief gefallen. Im Falle wieder abnehmender EZB-Käufe und Entspannung an der Pandemiefront ab Mitte Jahr bestehen jedoch erhebliche Aufwärtsrisiken für Nominal- und Realrenditen am langen Ende der Zinskurve.

Diese Erwartung wird ausserdem durch den Aufwärtstrend der Einkaufsmanagerindizes (PMI) für die Eurozone unterstützt. Zwar ist das Niveau nach wie vor deutlich tiefer als in den USA, doch sprang der PMI im März auf 52.5 nach 48.8 im Februar und damit auf ein 8-Monatshoch. Der Index für das verarbeitende Gewerbe erreichte 62.4 und damit sogar ein Allzeithoch. Dabei zogen die Einkaufspreise deutlich an und die Lieferzeiten verlängerten sich erheblich, was auf zunehmende Spielräume der Unternehmen bei der Preisfestsetzung hindeutet. Das gleich gilt im Wesentlichen auch für die USA.

Die Blockade des Suez-Kanals durch ein übergrosses Containerschiff hält weiter an, sodass die Besorgnis vor einer Unterbrechung der Lieferketten zwischen Europa und Asien sowie erhöhter Kosten zunimmt. Laut Aussagen der Bergungsunternehmen dauert es mindestens eine Woche, um das festgefahrene Schiff wieder flott zu bekommen.

Unsere Empfehlung

Wir haben zuletzt wiederholt Positionen in Obligationen mit negativer Rendite zugunsten Liquidität abgebaut, sodass die Anleihequote in den Kundenportfolios stetig sinkt. Bei Neuemissionen stimmt häufig das Ertrags-Risikoverhältnis nicht, sodass hier Zurückhaltung geboten ist. Ausserdem setzen wir in den kommenden Wochen auf defensive Märkte wie den SMI, FTSE 100 oder Dow Jones.

Taktische Positionierung

Obligationen: untergewichten; mittlere Laufzeiten bevorzugen, Unternehmensanleihen übergewichten
Aktien: Abbau Übergewichtung; Schweiz, UK übergewichten USA, UK und Japan neutral gewichten, Europa und Schwellenländer untergewichten
Währungen: USD/CHF über 0.93 und EUR/CHF über 1.11 teilweise absichern
Rohstoffe: Industriemetalle übergewichten
Edelmetalle: Gold neutral, Silber und Platin übergewichten
Immobilien: übergewichten (Anlagestiftungen, geschlossene Immobilienfonds)
Transaktionen: Aktien: Kauf ETF Dow Jones, FTSE 100; Obligationen: Verk. 1 ¼% Gr. Dixence 23
Themen: Healthcare, Consumer Staples, Utilities

26.03.2021 / Matthias Wirz