Die US-Präsidentschaftswahlen in der entscheidenden Phase

Zusammenfassung

Die weltweiten Aktienmärkte zeigten in den letzten drei Monaten eine unterschiedliche Kursentwicklung:

amerikanische Aktien verzeichneten mit +7% (S&P 500) und +10% (Nasdaq) deutliche Kursgewinne, während die europäischen Aktienmärkte zwischen 2% (DAX) und 9% (IBEX) verloren.


Aktuelle Situation

Zurzeit belasten in den USA die schwindenden Hoffnungen auf ein zweites Corona-Hilfspaket, das im US-Kongress aus wahltaktischen Gründen zu scheitern droht, die globalen Finanzmärkte. US-Finanzminister Steven Mnuchin hat diese Woche denn auch eingeräumt, dass es sich wohl schwierig gestalten werde, „noch etwas vor den Wahlen hinzukriegen und umzusetzen“. Ein weiteres Rettungspaket dürfte daher vor den Präsidentschaftswahlen am 3. November kaum mehr beschlossen werden.

Die jüngsten Wahlprognosen, welche jedoch mit grösster Vorsicht zu geniessen sind, gehen von einem klaren Sieg von Joe Biden als neuer US-Präsident und einer Mehrheit der Demokraten in beiden Kongresskammern („Blue Wave-Szenario“) aus. Daher steigt die Wahrscheinlichkeit eines grossen Konjunkturpakets nach den Wahlen, welches die Aktienmärkte positiv beeinflussen sollte. Mittelfristig könnten die geplanten Steuererhöhungen für Unternehmen (Erhöhung der Gewinnsteuer von 21% auf 28%) und die oberen Einkommensklassen die Finanzmärkte jedoch belasten. Im alternativen Szenario („Biden Split“), indem der Senat weiterhin in republikanischer Hand bleibt, dürfte es zu vermehrter Blockadebildung im Kongress kommen. Hierbei dürften Steuererhöhungen kaum durchsetzbar sein, ebenso wenig aber auch ein ausgedehntes Stimulierungspaket. „Biden split“ wäre daher das für die Finanzmärkte ungünstigste Szenario. Die zweite Alternative mit Trump als erneuten US-Präsidenten („Status Quo“) ist das unwahrscheinlichste, wäre aber für die Finanzmärkte wohl das günstigste Szenario, da wachstumshemmende Steuererhöhungen ausbleiben dürften. Ausserdem würde in diesem Fall die Deregulierung fortgesetzt und ein zusätzliches - zumindest begrenztes - Konjunkturpaket beschlossen werden.

Die bereits angelaufene „Berichtssaison“ für das dritte Quartal zeigt, dass bisher über 85% der Unternehmen positiv überrascht haben. Es wird somit auch mit einem geringeren Rückgang der Gewinne von -19% gegenüber Vorjahr gerechnet, verglichen noch mit -25% Anfang Juli. Eine markante Verbesserung wird anschließend für das nächste Jahr erwartet, indem die Gewinne der Unternehmen um 26% ansteigen sollen.

Unsere Empfehlung

Bis zu den US-Präsidentschaftswahlen und angesichts der erneut stark angestiegenen neuen Corona-Fälle, dürften die weltweiten Aktienmärkte volatil bleiben. In den Szenarien „Blue Wave“ und insbesondere „Status-Quo“ rechnen wir jedoch mit einer „Rallye“ bis Ende Jahr, in der vor allem die Corona unabhängigen Sektoren Technology, Biotech und Health Care eine überdurchschnittliche Performance erzielen dürften. Bei für lange Zeit extremen Zinsen bleiben wir daher in Aktienanlagen leicht übergewichtet.

Taktische Positionierung

Obligationen: untergewichten; mittlere Laufzeiten bevorzugen, Unternehmensanleihen übergewichten
Aktien: Schweiz, USA, Japan übergewichten Schwellenländer neutral gewichten, Europa untergewichten
Währungen: USD/CHF EUR/CHF teilweise absichern
Rohstoffe: neutral
Edelmetalle: Gold neutral
Immobilien: übergewichten (Anlagestiftungen, geschlossene Immobilienfonds)
Transaktionen: Aktien: - ; Obligationen: 7/8% Nant de Drance 2029
Themen: IT/Software, (Digital) Healthcare, Pharma, Biotech

Matthias Wirz, 16. Oktober 2020