Ein letztes Aufbäumen der Aktienmärkte vor der Korrektur?

Wir haben die Aktienquote in den Portfolios reduziert, da wir in den nächsten Wochen von einer Korrektur an den Aktienmärkten ausgehen.
Die rasante Erholung seit dem Tiefststand Ende März hat zu mittlerweile hohen Bewertungen geführt, da die Gewinnerwartungen der Unternehmen
dramatisch eingebrochen sind. 

Während wir überwiegend zyklische, konjunkturabhängige Sektoren und Titel abbauen, halten wir an der hohen ewichtung der Sektoren Gesundheit, Pharma, Biotech sowie Technologie unverändert fest.

Nach den erheblichen Kursverlusten in der Vorwoche machten die Aktienmärkte diese Woche wieder Boden gut, zurückzuführen auf die weitergehende Unterstützung durch die US-Notenbank (FED), mögliche staatliche Infrastrukturinvestitionen und überraschend positive Wirtschaftsdaten.

In den USA hellen sich die Konjunkturdaten zunehmend auf, abzulesen an den Detailhandels-umsätzen im Mai, welche im Monatsvergleich um 17.7% über Erwarten deutlich angestiegen sind. Damit wurden 63% der im März und April verzeichneten Rückgänge wieder ausgeglichen, sodass im Jahresvergleich noch ein Minus von 6.1% zu verzeichnen ist.

Am ersten Tag seiner zweitägigen Anhörung vor dem Kongress erklärte FED-Präsident Jerome Powell, dass die Erholung der US-Wirtschaft immer noch lückenhaft und anfällig sei. Folgerichtig forderte er mehr fiskalische Unterstützung. Das FED erwartet für das Jahr 2020 ein Wirtschafts-einbruch von zwischen –7.6% und –5.5%, wobei die Auswirkungen einer möglichen zweiten Corona-Welle noch nicht einmal berücksichtigt sind. Ferner beginnt das FED nun mit Käufen von Unternehmensanleihen direkt auf dem Sekundärmarkt, wodurch die bisherigen Käufe von börsengehandelten Fonds (ETFs) deutlich ausgeweitet werden. Aufgrund der gewaltigen FED-Anleihekäufe haben Obligationen allgemein, insbesondere aber USD-Anleihen, weiteres Kurspotential. Obwohl die starke Performance der letzten Wochen den Renditevorteil von USD- gegenüber deutschen Staatsanleihen reduziert hat, erreicht dieser noch immer über 1%. Es ist deshalb mit einer fortlaufenden Annäherung der Renditedifferenz zu rechnen, sodass die Rendite der 10-jährigen USD-Staatsanleihe bis gegen 0% sinken dürfte.

An der „Corona-Front“ häufen sich positive Meldungen über wirksame Medikamente und Impfstoffe. Eine britische Studie mit Dexamethason, einem kostengünstigen und breit einge-setzten Steroid, zeigt starke Evidenz, dass die Sterberate bei künstlich beatmeten COVID-19-Patienten mit schwersten Krankheitsverläufen um bis zu einem Drittel reduziert wird.

Der Ölpreis ist auch diese Woche weiter bis auf USD 40 angestiegen. Laut dem Ölminister der Vereinigten Arabischen Emirate sollten die von der OPEC+ beschlossenen Förderkürzungen um fast 10 Mio. Barrel pro Tag bewirken, dass die Preise innert ein oder zwei Jahren wieder auf das „normale“ Niveau steigen. Bereits heute nimmt die Nachfrage aus China, Indien und Europa wieder zu.

Wir haben die Aktienquote in den Portfolios reduziert, da wir in den nächsten Wochen von einer Korrektur an den Aktienmärkten in der Grössenordung von 5%-10% ausgehen. Die rasante Erholung seit dem Tiefststand Ende März hat zu mittlerweile hohen Bewertungen geführt, da die Gewinnerwartungen der Unternehmen dramatisch eingebrochen sind. Während wir überwiegend zyklische, konjunkturabhängige Sektoren und Titel abbauen, halten wir an der hohen Gewichtung der Sektoren Gesundheit/Pharma/Biotech sowie Technologie (IT & Software) unverändert fest.

Taktische Positionierung

Obligationen: untergewichten; mittlere Laufzeiten bevorzugen, Unternehmensanleihen übergewichten
Aktien: neutral gewichten; Schweiz, Japan, Schwellenländer und USA neutral gewichten, Europa untergewichten
Währungen: USD/CHF, EUR/CHF und JPY/CHF teilweise absichern
Rohstoffe: neutral
Edelmetalle: Gold neutral
Immobilien: übergewichten (Anlagestiftungen, geschlossene Immobilienfonds) Transaktionen: Aktien: Verkauf INAA, IMEU, DAX, MDAX ABB, LHN ; Obligationen: -
Themen: IT/Software, (Digital) Healthcare, Pharma, Biotech

Anlagebericht, 19. Juni 2020 Matthias Wirz