Europa hat für einmal die Nase vorn

Zusammenfassung

In der Berichtswoche haben amerikanische Aktien nach dem langen Wochenende zunächst weitere Rückschläge erlitten bevor eine geringfügige Gegenbewegung eintrat.

Für einmal haben dabei europäische Aktien mit einem Plus von 1 - 2% gegenüber US-Aktien, welche ein Minus von 6.5% (S&P 500) und 9.5% (Nasdaq) verzeichneten, „die Nase vorn“. Obwohl sich die Konsolidierung an den Aktienmärkten noch eine Weile fortsetzen dürfte, halten wir auf eine Sicht von drei Monaten unverändert an der Übergewichtung der Aktienanlagen fest.

Aktuelle Situation 

Der Ausverkauf in den USA war nicht nur auf den hoch bewerteten Technologiesektor zurückzuführen, sondern auch auf den Energiesektor, der infolge eines scharfen Rückgangs des Ölpreises von USD 42 auf USD 37 unter Druck kam. Befürchtungen einer anhaltend schwachen Nachfrage aus den Industrieländern lasten auch weiterhin auf dem Ölpreis.

Die Korrektur des Technologiesektors dürfte unter anderem auch auf die Nachwehen der grossvolumigen  Optionskäufe der Investment-Gruppe „Softbank“ an den an der Nasdaq kotierten amerikanischen Technologieunternehmen zurückzuführen sein. In einer ersten Phase befeuerten die „Long-Call-Optionen“ die ohnehin steigenden Aktienkurse der grossen Tech-Unternehmen, Amazon, Apple, Microsoft, Facebook und Alphabet. Da sich die Banken als Gegenparteien mit dem Kauf der entsprechenden Aktien absichern mussten, entstanden prozyklische, starke Kurssteigerungen. Da Softbank die Optionen danach wieder verkaufte, mussten die Gegenparten die entsprechenden Aktien ebenfalls verkaufen, weshalb sie den gegenläufigen Effekt auslösten und dadurch die bereits fallenden Aktienkurse noch beschleunigten.

In grossen Schritten nähern wir uns den Präsidentschaftswahlen in den USA vom kommenden 3. November, wobei deren Ausgang ungewiss ist. Demzufolge könnten die Aktienmärkte volatil bleiben, da der Einfluss der politischen Lage und Umfragen auf die Finanzmärkte nun laufend zunimmt. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass ein Wahlsieg von Donald Trump für die Finanzmärkte leicht positiv wäre, da das republikanische Wahlprogramm unternehmerfreundlicher gestaltet ist. Insbesondere die von Herausforderer Joe Biden geplanten Steuererhöhungen für Unternehmen und die oberen Einkommensklassen, aber auch die Verdoppelung des Mindestlohnes dürften nicht nur die Gewinne der Unternehmen belasten, sondern auch das Wachstumspotenzial der USA dämpfen. Unklar ist, ob Joe Biden tatsächlich den Handelskrieg mit China weiterführt, oder doch noch auf einen moderateren Kurs einschwenkt.

Unsere Empfehlung

Obwohl sich die Konsolidierung an den Aktienmärkten noch eine Weile fortsetzen dürfte, halten wir auf eine Sicht von drei Monaten unverändert an der Übergewichtung der Aktienanlagen fest.  Die weltweit extrem expansive Fiskal- und Geldpolitik führt zu anhaltend tiefen Zinsen, wovon alle risikotragenden Anlageklassen, insbesondere aber Aktien, profitieren. Regional bevorzugen wir weiterhin die USA und die Schweiz mit ihren hohen Gewichten der konjunkturresistenten Sektoren „Technologie“ und „Gesundheit“. Die Obligationenmärkte weisen dagegen ein ungünstiges Risiko-Ertragspotenzial aus.

Taktische Positionierung

Obligationen: untergewichten; mittlere Laufzeiten bevorzugen, Unternehmensanleihen übergewichten
Aktien: neutral gewichten; Schweiz, USA, Japan und Schwellenländer neutral gewichten, Europa untergewichten
Währungen: USD/CHF absichern; EUR/CHF und JPY/CHF teilweise absichern
Rohstoffe: neutral
Edelmetalle: Gold neutral
Immobilien: übergewichten (Anlagestiftungen, geschlossene Immobilienfonds)
Transaktionen: Aktien: White Fleet Energy Champions Fund; Obligationen: -
Themen: IT/Software, (Digital) Healthcare, Pharma, Biotech

 

Matthias Wirz, 11. September 2020