Friedliche Amtsübernahme des neuen US-Präsidenten Joe Biden

Zusammenfassung

Die friedliche Amtsübernahme von Joe Biden sorgte in dieser Woche erneut für eine positive Stimmung an den Aktienmärkten, wobei vor allem Aktien aus den Schwellenländern und Technologieaktien des Nasdaq-Index in der Gunst der Anleger standen.

Weiteren Schub für den Nasdaq könnten die Quartalszahlen der grossen Tech-Unternehmen Apple und Facebook am 27. Januar, sowie Amazon und Alphabet am 2. Februar bringen bevor dann die von uns erwartete Konsolidierung eintritt.

Aktuelle Situation

Die Umsetzung von Bidens Wahlprogramm dürfte angesichts der bloss hauchdünnen Mehrheit im Senat nicht einfach gelingen. Bereits das angestrebte Konjunkturpaket wird deutlich geringer als die geplante Grössenordnung von USD 1’900 Mrd. ausfallen. Insbesondere die starke Erhöhung des Mindestlohns auf USD 15 und Ausgaben von USD 350 Mio. für die Gliedstaaten sind höchst umstritten. Andere Pläne, wie Steuererhöhungen für Unternehmen und Privatpersonen, dürften aufgrund der knappen Mehrheitsverhältnisse im Senat kaum oder höchstens in geringem Umfang durchsetzbar sein. Das sind grundsätzlich «good news» für die Unternehmen und folglich auch für die Aktienmärkte.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat an ihrer ersten Sitzung im neuen Jahr keine Änderungen der Leitzinsen und Anleihekäufe beschlossen. Damit bleiben die Leitzinsen so lange auf ihrem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau, bis sich die Inflationsrate hinreichend dem Inflationsziel von 2% annähert. Die Anleihekäufe laufen bis mindestens Ende März 2022 und die Wiederanlage aus Tilgungen bis mindestens Ende 2023. Somit fährt die Eurozone wie die USA eine gleichzeitig expansive Fiskal- und Geldpolitik, wodurch in den kommenden Monaten – sofern die Corona-Pandemie wie erwartet im ersten Halbjahr überwunden sein wird – ein Wachstumsschub ausgelöst werden könnte.

In Italien war die Regierungskrise von kurzer Dauer, da Premierminister Conte die Vertrauensabstimmung gewonnen hat. Dazu konnte, trotz der fehlenden Mehrheit im Senat, ein zusätzliches Ausgabenpaket in Höhe von EUR 32 Mrd. verabschiedet werden. Damit wird das Haushaltsdefizit in diesem Jahr auf knapp 9 % ansteigen und die Staatsverschuldung ca. 160 % des BIP erreichen. Ohne anhaltende massive Käufe der EZB ist dies nicht zu stemmen, wobei die Situation unterstreicht, wie eng Geld- und Fiskalpolitik in der Eurozone (wie auch in den USA) inzwischen verbunden sind.

Unsere Empfehlung

Wie angekündigt haben wir in den letzten Tagen an den Aktienmärkten in Form eines «Rebalancings» Gewinne mitgenommen. Damit wird die durch Kursgewinne deutlich angestiegene Aktienquote wieder auf ihre ursprüngliche Gewichtung zurückgeführt. Entsprechend wird auch das Gesamtrisiko der gemischten Kundenportfolios reduziert. Unverändert sind wir der Meinung, dass die Aktienmärkte technisch überkauft sind und die Anlegerstimmung zu euphorisch ist. Eine Konsolidierung sollte daher nicht überraschen.

Taktische Positionierung

Obligationen: untergewichten; mittlere Laufzeiten bevorzugen, Unternehmensanleihen übergewichten
Aktien: Abbau Übergewichtung; Schweiz übergewichten, USA und Japan neutral gewichten, Europa und Schwellenländer untergewichten
Währungen: USD mit Aufwertungspotential, daher weniger absichern
Rohstoffe: neutral
Edelmetalle: Gold neutral
Immobilien: übergewichten (Anlagestiftungen, geschlossene Immobilienfonds)
Transaktionen: Aktien: Abbau EQQQ, SMIM, Emma; Obligationen: Kauf USD 1 ¾% KFW 2029
Themen: Healthcare, Consumer Staples, Utilities, Biotech, IT/Software

22.01.2021 / Matthias Wirz