Inflation in den USA auf dem Höhepunkt

Zusammenfassung

Die Inflationsrate stieg in den USA im Dezember zwar auf 7.0% im Jahresvergleich und damit den höchsten Stand seit Juni 1982 an, doch befürchteten einige Marktteilnehmer einen noch stärkeren Anstieg. Positiv zu vermerken ist der Rückgang der Energie- und die abgebremste Zunahme der Mietkomponenten. Damit könnte in den USA der Höhepunkt der Teuerungsrate bereits erreicht sein.


Aktuelle Situation

Allerdings passen die vorsichtigen Kommentare des Präsidenten des regionalen FED in St. Louis, James Bullard, nicht so recht in das sich aufhellende Inflationsbild. Bullard zeigte sich offen für vier Zinsschritte in diesem Jahr, wobei zurzeit am Geld- und Obligationenmarkt gegenwärtig drei Zinsschritte bis Ende Jahr eingepreist sind. Dennoch dürfte ein weitergehender Renditeanstieg am langen Ende der Zinskurve unwahrscheinlicher werden. Der Anleihemarkt wurde diese Woche auch vom US-Notenbankchef Powell selbst gestützt, der vor dem Senat bestätigte, dass die geldpolitische Straffung des FED zwar das Ende der pandemiebedingt ultra-expansiven Politik, nicht aber eine Wende hin zu einer restriktiven bedeute.

Ein weiterer für den USD-Obligationenmarkt positiver Punkt betrifft das sinkende Haushaltsdefizit in den USA, das im Dezember infolge deutlich steigender Steuereinnahmen auf das niedrigste Niveau seit zwei Jahren gefallen ist. Die sich voraussichtlich fortsetzende positive Entwicklung mindert die Neuverschuldung und sollte helfen, dass die vom FED mittelfristig geplante Bilanzreduktion keine größeren Verwerfungen am Obligationenmarkt auslösen wird. Entsprechend würde der durch die Anleiheverkäufe ausgeübte Aufwärtsdruck auf die langfristigen Zinsen gedämpft.


Aus technischer Sicht sollten die langfristigen Renditen kaum mehr weiter ansteigen und sich in den nächsten Monaten sogar wieder rückläufig entwickeln. Damit werden folglich die 10-jährigen Staatsanleiherenditen Deutschlands (Bund) und der Schweiz (Eidgenossen) kaum die Marke von 0% übertreffen.

Nachdem die Aktienmärkte - mit Ausnahme der Nasdaq-Börse- die in den letzten Wochen von den Anleihemärkten ausgehende Volatilität zunächst mit geringen Abgaben überstanden haben, liegt der Fokus nun auf dem Beginn der Gewinnsaison für die Unternehmen aus dem S&P 500 für das 4. Quartal 2021. Erneut werden gute Zahlen erwartet, wobei die bisher hohen Margen der Unternehmen aufgrund zunehmender Vorlaufkosten gefährdet sind, aber möglicherweise durch Umsatzgewinne kompensiert werden konnten.

Unsere Empfehlung

Wir haben das Risiko in den gemischten Portfolios mit dem Abbau der Übergewichtung der Aktienanlagen reduziert und die Liquidität erhöht. Mittlerweile sind in CHF abgesicherte USD-Obligationen bester Qualität aufgrund der steilen USD-Zinskurve wieder interessanter geworden. Die 1 ¾% KFW 2029 (AAA) erzielt zurzeit eine Nettorendite von rund 0.75% in CHF, verglichen mit -0.15% des 0% Eidgenossen 2029.

Für Anleger, die (zu hohe) Liquidität anlegen müssen, sind die (zu) hart «abgestraften» Schweizer Aktien von Lonza, Geberit, Sika und Givaudan zu empfehlen.

Taktische Positionierung

Obligationen: Untergewichten; mittlere Laufzeiten bevorzugen, Unternehmensanleihen übergewichten
Aktien: Übergewichtung; Schweiz, Japan übergewichten USA , Europa, UK und Schwellenländer neutral gewichten
Währungen: USD/CHF über 0.90 teilweise absichern und EUR/CHF unter 1.05 weniger absichern
Rohstoffe: Industriemetalle übergewichten
Edelmetalle: Gold neutral, Silber und Platin übergewichten
Immobilien: Übergewichten (Anlagestiftungen, Immobilienfonds)
Transaktionen: Aktien: Obligationen: USD 1 ¾% KFW 2029
Themen: Bevorzugte Sektoren: Nicht-zyklischer Konsum, Gesundheit

14.01.2022 / Matthias Wirz