Konjunkturaufschwung in der kurzen-mittelfristigen Sicht-droht langfristig Stagnation?

In den nächsten 12-18 Monaten und unter der Voraussetzung, dass binnen eines Jahres wirksame Medikamente und Impfstoffe gegen Covid19 zur Verfügung stehen, wird sich die Weltwirtschaft – angetrieben durch die enorm expansive Geld- und Fiskalpolitik - relativ schnell erholen. Dabei verharren die Inflationserwartungen aufgrund der unterausgelasteten Industriekapazitäten und des tiefen Ölpreises auf einem äusserst tiefen Niveau. Entsprechend werden auch die langfristigen Staatsanleiherenditen trotz der explodierenden Budgetdefizite vieler Länder niedrig bleiben. Damit ergibt sich ein attraktives Umfeld für alle Anlageklassen. 
In der kurzfristigen Betrachtung hat in den letzten Tagen an den Aktienmärkten die (erwartete) 2. Korrekturphase begonnen, die bis Ende Mai anhalten, aber nicht  die Tiefststände vom März testen sollte. Wir empfehlen weiterhin zyklische Sektoren (Industrie- und Finanzwerte) sowie die Eurozone zu meiden, und defensive Sektoren (Pharma, Biotech, Basis-Konsum, IT & Software) zu bevorzugen.  

Konjunkturaufschwung in der kurzen-mittelfristigen Sicht - droht langfristig Stagnation?

In der Berichtswoche sind die Aktienmärkte in die bereits länger erwartete Konsolidierungsphase eingetreten, wobei die Kursverluste in Europa mit 4%-5% abermals am stärksten ausgefallen sind. Einerseits kommt auf den Finanzmärkten wiederholt die Befürchtung auf, dass eine „zweite Infektionswelle“ zu erneuten „Lockdowns“ führen und ein breit verfügbarer Impfstoff noch länger ausbleibt. Beides wäre für die sich bereits in der tiefsten Rezession seit dem 2. Weltkrieg be-findenden Weltwirtschaft ein massiver Rückschlag. Andererseits fordert die amerikanische Notenbank (FED) weitere fiskalpolitische Massnahmen, um die Erholung der Wirtschaft zu unter-stützen. Dabei zeichnet das FED ein trübes Konjunkturbild, das sich erst in der zweiten Jahres-hälfte aufhellt. Die weltwirtschaftlichen Perspektiven sind auf der Zeitachse wie folgt darstellbar:

Kurzfristig (2020/21) und unter der Voraussetzung, dass binnen eines Jahres wirksame Medikamente und Impfstoffe gegen Covid19 zur Verfügung stehen, wird sich die Weltwirtschaft – angetrieben durch die enorm expansive Geld- und Fiskalpolitik - relativ schnell erholen. Dabei verharren die Inflationserwartungen aufgrund der unterausgelasteten Industriekapazitäten und des tiefen Ölpreises auf einem äusserst tiefen Niveau. Entsprechend werden auch die langfristi-gen Staatsanleiherenditen trotz der explodierenden Budgetdefizite vieler Länder niedrig bleiben. Damit ergibt sich ein attraktives Umfeld für alle Anlageklassen.

Mittelfristig (2021-2023) steigen die Inflationsraten jedoch an, da der zyklische Aufschwung weiterhin durch die anhaltend expansive Wirtschaftspolitik befeuert wird. Dies führt zusammen mit der rasch steigenden Verschuldung und dadurch stark zunehmenden Emissionstätigkeit zu einem Zinsschub. Damit sind die Perspektiven für Realwertanlagen (Aktien, Immobilien) günstig, während Geldmarkanlagen und Obligationen unattraktiv werden.

Langfristig (>2023) verschlechtern sich jedoch die Wachstumsperspektiven, da das Produktivi-tätswachstum der Wirtschaft nachhaltig tiefer liegen könnte als vor der Coronakrise. Als Gründe hierfür ist die turmhohe Staatsverschuldung vieler Länder anzuführen, welche zu steigenden Staats- und Steuerquoten führt. Dazu würde ein stockendes Geschäftsvertrauen in einer anhaltend niedrigen Investitionsneigung des privaten Sektors resultieren. Zudem könnte der Globalisierungstrend unter Druck geraten und deshalb Wachstumsverluste und höhere Güter-preise implizieren. Gleichzeitig werden die hohen Schuldenberge mit einer expansiven Geldpolitik und demnach steigenden Inflationsraten finanziert. Eine weltweite Stagnation wäre die Folge, sodass Geldmarktanlagen, Obligationen und Aktien unattraktiv werden. Gold und kurz-fristige Staatsanleihen bonitätsstarker Länder wären die Alternativen.

Mit leichter Verzögerung hat an den Aktienmärkten die (erwartete) 2. Korrekturphase begonnen, die bis Ende Mai anhalten, aber nicht die Tiefststände vom März testen sollte. Wir empfehlen weiterhin zyklische Sektoren (Industrie- und Finanzwerte) sowie die Eurozone zu meiden, und defensive Sektoren (Pharma, Biotech, Basis-Konsum, IT & Software) zu bevorzugen.

Taktische Positionierung

Obligationen: untergewichten; mittlere Laufzeiten bevorzugen, Unternehmensanleihen übergewichten
Aktien: neutral gewichten; Schweiz, Japan, Schwellenländer und USA neutral gewichten, Europa untergewichten
Währungen: USD/CHF, EUR/CHF und JPY/CHF teilweise absichern
Rohstoffe: neutral
Edelmetalle: Gold aufbauen
Immobilien: übergewichten (Anlagestiftungen, geschlossene Immobilienfonds)
Transaktionen:  Aktien: ; Obligationen: 3/8% SAP 2029; 1 3/8% Nant de Drance 2029
Themen: IT/Software, Digital Healthcare, Pharma, Biotech