Längst fällige Konsolidierung hat begonnen

Nach den starken Kursgewinnen in den letzten Wochen sind die Aktienmärkte zuletzt in die von uns schon länger erwartete Konsolidierungs- resp. Korrekturphase eingetreten. Dabei haben der S&P 500 Kursverluste von 3.5%, der DAX 6.5% und der SMI 4% erlitten. Diese sind auf schwache Konjunkturprognosen der amerikanischen Notenbank (FED), Befürchtungen einer zweiten 

Infektionswelle und Warnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF), dass sich die weltweite Rezession weiter vertieft, zurückzuführen. Ebenso belasten die mittlerweile gestiegenen Bewertungsniveaus in einem Umfeld, in dem die Märkte auf eine V-förmige (schnelle) Konjunkturerholung setzen. Allerdings bleibt abzuwarten, ob das Muster der letzten Wochen, als Korrekturen schon bald wieder als Kaufgelegenheiten wahrgenommen wurden, gebrochen ist und Aktienanlagen nun gemäss des erwarteten starken Gewinneinbruchs weiter korrigieren werden.

Die abnehmende Risikoaversion der Anleger aufgrund der Aufhebung des weltweiten Lockdowns hat zuvor zu einem unerwarteten Höhenflug der Aktienmärkte geführt. Dabei sind die Aktienkurse nach den Tiefstständen Mitte März wieder nahe an ihre Allzeithochs von Mitte Februar angestiegen. In Europa fehlen dem Eurostoxx 50 jedoch noch mehr als 15% und dem SMI rund 10% bis zu ihren Vorkrisenniveaus. Die grosse Performancedifferenz zwischen den USA und Europa ist vor allem auf die Indexzusammensetzung zurückzuführen. Während in den USA grosse, wachstumsstarke und überwiegend konjunkturunabhängige Technologie-, Gesundheits- und Bio-tech-Unternehmen mit ihrer grossen Kapitalisierung den S&P 500 und Nasdaq 100 dominieren, sind diese in Europa massiv untervertreten. Hier sind die „klassischen“, weniger wachstumsstarken Sektoren Finanzen, Industrie, Chemie und Versorger stärker vertreten.

Diese Woche hat das FED seinen Ausblick nahezu unverändert beibehalten und angekündigt, dass die Anleihekäufe in mindestens der gegenwärtigen Höhe von USD 120 Mrd. pro Monat fortgeführt werden. Ferner hat FED-Präsident Jerome Powell signalisiert, dass die Zinsen bis Ende 2022 auf dem aktuellen Niveau bleiben werden und er „nicht einmal über eine Zinserhöhung nachdenke“.

Unsere taktische Positionierung bleibt unverändert neutral in Aktienanlagen, wobei die Sektoren Gesundheit/Pharma/Biotech sowie Technologie (IT & Software) übergewichtet werden. Diese verzeichnen überdurchschnittliche Wachstumsraten und sind konjunkturresistent. Das führt folglich auch zu einer Übergewichtung der USA und der Schweiz, da die genannten Sektoren hier stark vertreten sind. Für die Eurozone spricht einzig die tiefe Bewertung, weshalb eine Untergewichtung angezeigt ist. Japan wiederum profitiert von einer tiefen Bewertung und soliden Bilanzen der Unternehmen. Die für nun noch längere Zeit tief bleibenden Leitzinsen und die enormen Staatsanleihekäufe werden die Obligationenmärkte unterstützen und für eine weitergehende Verengung der Kreditrisikoprämien sorgen. Entsprechend bleiben wir in Unternehmensanleihen in hohem Masse engagiert. Gold ist weiterhin gefragt, da die Opportunitätskosten weiter gesunken sind und sich als Diversifikationsanlage eignet.

Taktische Positionierung

Obligationen: untergewichten; mittlere Laufzeiten bevorzugen, Unternehmensanleihen übergewichten
Aktien: neutral gewichten; Schweiz, Japan, Schwellenländer und USA neutral gewichten, Europa untergewichten
Währungen: USD/CHF, EUR/CHF und JPY/CHF teilweise absichern
Rohstoffe: neutral
Edelmetalle: Gold neutral
Immobilien: übergewichten (Anlagestiftungen, geschlossene Immobilienfonds)
Transaktionen: Aktien: Verkauf EQQQ, CSSPX ; Obligationen: ¾% Straumann 2025
Themen: IT/Software, (Digital) Healthcare, Pharma, Biotech