Nach der Rallye an den Aktienmärkten folgt die Konsolidierung

Zusammenfassung

Nachdem der Weltaktienindex alleine im August um 5.5% - und damit auf überkaufte Niveaus – angestiegen ist, setzte eine Konsolidierung ein.

In den USA hat der Nasdaq 100 zuletzt um mehr als 5% korrigiert, ausgelöst vom Technologiesektor, der zuvor wiederholt neue Höchststände erklommen hat. Dennoch hat unser vierteljährlich tagender Anlageausschuss entschieden, weiterhin an der Übergewichtung der Aktienanlagen festzuhalten.

Aktuelle Situation 

Vor allem positiv überraschende Wirtschaftsdaten haben die Aktienmärkte in den letzten Wochen angetrieben, wobei der Einkaufsmanagerindex (ISM) für das verarbeitende Gewerbe im August den dritten Monat in Folge zunahm. Gleichzeitig hat der ISM mit 56.0 den höchsten Wert seit November 2018 erreicht. Dabei zeigt sich ein nachhaltig positiver Trend, da sich die Lagerhaltung auf einem mehrjährigen Tiefststand befindet, während der Bestellungseingang stark an Dynamik gewinnt. Damit dürfte in den kommenden Monaten auch die Industrieproduktion markant anziehen und dadurch das reale Wirtschaftswachstum positiv beeinflussen.

In der Anlagekategorie der Rohstoffe hat sich der Ölpreis weiter erhöht und steht nun bei USD 44 (Brent). Während die von der OPEC beschlossenen Förderkürzungen weiterhin in Kraft sind, nimmt die Nachfrage aufgrund der „V-förmigen“ Konjunkturerholung in China und den USA stetig zu. Folglich ist mittelfristig mit einem weiter steigenden Ölpreis zu rechnen.

Die amerikanische Notenbank (FED) erwartet bloß eine langsame Erholung der Wirtschaft, weshalb ernsthaft über Zinsobergrenzen nachgedacht wird. Parallel zum neuen durchschnittlichen Inflationsziel von 2% würde ein „Zinsdeckel“ der quantitativen Geldpolitik eine zusätzliche expansive Dimension verleihen. Bei steigenden Inflationsraten werden die realen Zinsen auf diese  Weise noch tiefer in den negativen Bereich fallen. Diese auch „Finanzielle Repression“ genannte Geldpolitik wurde bereits nach dem 2. Weltkrieg erfolgreich angewandt, um die Konjunktur anzukurbeln und gleichzeitig den Schuldenberg abzubauen.

Unsere Empfehlung

Unser vierteljährlich tagender Anlageausschuss hat entschieden, weiterhin an der Übergewichtung der Aktienanlagen festzuhalten. Die grosse Mehrheit der zuletzt veröffentlichten Konjunkturdaten signalisieren eine schnelle V-förmige Erholung der Weltwirtschaft. Ferner ist damit zu rechnen, dass in den nächsten Monaten ein wirksamer Corona-Impfstoff eingesetzt werden kann. Infolgedessen nimmt die Unsicherheit der Konsumenten und Investoren ab, wodurch das Wirtschaftswachstum positiv beeinflusst wird. Der Haupttreiber für unsere positive Sicht ist jedoch die gleichzeitig extrem expansive Fiskal- und Geldpolitik, was historisch bisher nur in Kriegszeiten zu beobachten war. Folglich wird die Aktienquote leicht erhöht, wobei der Fokus unverändert auf die USA und die Schweiz mit ihren hohen Gewichten der konjunkturresistenten Sektoren „Technologie“ und „Gesundheit“ gelegt wird. Allerdings werden die zurückgebliebenen, eher zyklischen  Aktienmärkte in Europa und den Schwellenländern aufgrund ihrer noch vergleichsweise attraktiven Bewertung interessanter. Die Obligationenmärkte bleiben stark untergewichtet.

Taktische Positionierung

Obligationen: untergewichten; mittlere Laufzeiten bevorzugen, Unternehmensanleihen übergewichten
Aktien: neutral gewichten; Schweiz, USA, Japan und Schwellenländer neutral gewichten, Europa untergewichten
Währungen: USD/CHF absichern; EUR/CHF und JPY/CHF teilweise absichern
Rohstoffe: neutral
Edelmetalle: Gold neutral
Immobilien: übergewichten (Anlagestiftungen, geschlossene Immobilienfonds)
Transaktionen: Aktien: White Fleet Energy Champions Fund; Obligationen: -
Themen: IT/Software, (Digital) Healthcare, Pharma, Biotech

 

Matthias Wirz, 4. September 2020