Interview mit dem Fährimaa und der Fährifrau der St. Alban-Fähre "Wild Maa"

Die Basler Fähren gehören zum Stadtbild wie das Münster, das Rathaus und das Spalentor. Auf der St.Alban-Fähre „Wild Maa“ sind seit dem 1. Januar 2021 neue Pächter an der Arbeit: Rosi Tiefenthal und Hanspeter „Hambbe“ Tschudi. Leider war deren Start nicht vom Glück begleitet: Covid-19, Home Office, fehlende Touristen, das ausgesprochene

Bewirtungsverbot und eisige Temperaturen mit Schneefall und Hochwasser im Januar. Damit das 2. Quartal besser beginnt, schenkt am 1. April 2021 von 11’00-17’00 Uhr die Trafina Privatbank AG allen Primarschulkindern in Begleitung eines Erwachsenen bei der Überfahrt mit der St.Alban-Fähre einen Schoggihasen. Notabene ist das kein Aprilscherz… Olaf Zehnder, Anlageberater bei Trafina Privatbank AG, Basel, traf die beiden auf ihrer Fähre.

Olaf Zehnder: Rosi und Hambbe, ihr hattet einen veritablen Kaltstart. Wie ist euer Fazit nach zwei Monaten?

Rosi: Der Januar war schlicht verheerend, aber im Februar hatten wir schönes Wetter und die Leute, die in Basel blieben, haben auch schon mal die Fähre benutzt. Nach einem Interview auf Telebasel bekamen wir ebenfalls sehr viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung.

Hambbe: Die Basler haben eine feste Beziehung zu ihren Fähren und sind stolz auf sie.

Wie kam es zum Entschluss, die St.Alban-Fähre zu übernehmen?

Hambbe: Der ehemalige Fährimaa Martin Reidinger hörte Ende des letzten Jahres nach 24 Jahren altershalber auf und da ich bereits seit neun Jahren auf der Fähre gearbeitet habe, die letzten fünf davon als Stellvertreter, musste ich eigentlich nicht mehr lange überlegen.

Rosi: Ich war die letzten acht Jahre hauptsächlich auf der Klingentalfähre angestellt und da wir Fährileute einen sehr guten Kontakt untereinander pflegen, fiel mir die Entscheidung ebenfalls leicht.

Hambbe: Rosi ist für mich die absolut ideale Ergänzung: wir haben somit zum ersten Mal ein Jobsharing auf einer Fähre und ebenfalls die erste Pächterin der Geschichte!

Was habt ihr zwei denn vorher gemacht?

Rosi: Ursprünglich habe ich eine Gärtnerlehre gemacht, aber die Liebe zum Wasser und der Schifffahrt war einfach viel grösser. Ob Sportboot, Klein- oder Grossschifffahrt, ich fühle mich auf allen Booten daheim. So bin ich zuerst zehn Jahre lang Wassertaxi gefahren.

Hambbe: Ich war fast 25 Jahre lang bei einer Grossbank beschäftigt, bevor ich per Zufall vernahm, dass auf der Fähre Ablöser gesucht wurden. So lernte ich Martin Reidinger kennen und den Beruf lieben.

Fährmann oder –frau ist quasi ein Traumjob. Braucht ihr eine spezielle Ausbildung dazu?

Hambbe: Die ganze Ausbildung wird immer anspruchsvoller: ein Pächter, der dich unter die Fittiche nimmt und praktisch ausbildet, verschiedene theoretische und praktische Prüfungen bis hin zur Motorbootprüfung.

Rosi: Wir müssen auf alle Rücksicht nehmen und immer auf alles achten.

Ihr habt schon tausende Gäste über den Bach befördert. Was wurdet ihr am meisten gefragt?

Hambbe: Ganz klar: Wie warm ist das Wasser heute?

Rosi: Die Tiefe interessiert auch viele Leute. Beim Münster ist die tiefste Stelle mit ca. 5 Metern, sonst ist der Rhein überall 3-4 Meter tief.

Die Basler Fähren werden aber auch nach Dienstschluss rege benutzt, sei das für private Anlässe wie Apéros, Geburtstage und Hochzeitsfahrten. Auch Lesungen und musikalische Unterhaltung werden geboten. Auf jeder Fähren kann getauft, geheiratet und sogar bestattet werden. Was bietet ihr zwei denn alles an?

Hambbe: Alles, was irgendwie plan- und machbar ist! Tagsüber haben wir natürlich eine Transportpflicht, aber danach ist vieles möglich.

Verzell das doch em Fährimaa, sagt man Leuten, die einem eine unglaubliche abstruse Geschichte erzählen. Glaubt denn der Fährimaa alles?

Rosi: Der Ursprung liegt beim Überbringen einer Nachricht vom einen Ufer an das andere. Und spätestens beim dritten Wiedererzählen der Geschichte schleichen sich die ersten Übertreibungen ein….

Ihr habt sicher auch schon unglaubliche Geschichten erlebt. Was war denn die verrückteste?

Hambbe: Kurz nach unserem Beginn im Januar wurde bei reissendem Hochwasser beim Steg ein grosser Baumstamm unter die Fähre geschoben und hat uns in Schieflage gebracht. Die Feuerwehr musste uns vom Seil nehmen und abschleppen. Aber zum guten Glück hatten wir noch nie einen Seilriss…

Basels Fähren konnten 2014 ihren 160. Geburtstag feiern. Ganz ehrlich: ich dachte, die seien schon viel älter!

Hambbe: Die Mittlere Brücke wurde 1226 erbaut und war bis 1879 die einzige Basler Brücke über den Rhein. Um auch an anderen Stellen über den Fluss zu gelangen, mussten sogenannte «fliegende Brücken» ins Leben gerufen werden, die Fähren waren geboren. Aber bereits die Römer betrieben in Augusta Raurica eine Gierseilfähre (das bis heute unveränderte technische Prinzip). Verbrieft ist, dass am 14. November 1854 die Harzgrabenfähre auf der Höhe der heutigen Wettsteinbrücke als erste 100%ige Stadtbasler Fähre in Betrieb genommen wurde. Die St.Alban-Fähre verband ab 1894 das St.Alban-Tal mit dem neu entstehenden Quartier am Schaffhauser Rheinweg.

Noch zum Schluss : ….Und nun am Gründonnerstag die grosse Hasenaktion! Habt ihr bei der Anfrage zuerst gedacht: "vrzell das doch em Fährimaa?"

Rosi: Ja, schon fast, aber nun freuen wir uns riesig auf den Anlass. Die Fähre wird voll sein mit Schoggihasen, da wir sehr viele Kinder erwarten. Wir freuen uns jetzt schon auf die strahlenden Kinderaugen.

Hambbe: Eine tolle Idee, die dank Trafina Privatbank bei uns im Quartier und dem Schoggihüsli in Pratteln Realität wurde.

Herzlichen Dank für eure Zeit und die zusätzlichen Informationen. Ich wünsche euch weiterhin viel Freude an eurem Beruf, viele zufriedene Kunden und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!


Entstehung der „Stiftung Basler Fähren“ und des „Fähri-Verein Basel“

Der Kleinbasler Arzt und langjährige Meister der Ehrengesellschaft zum Rebhaus, Dr. Hans Nidecker, gründete zu Beginn der 70er Jahre mit Gleichgesinnten zusammen die „Stiftung Klingentalfähre Vogel Gryff“, die die Klingental-Fähre kaufte. Schon im Frühjahr 1976 kaufte die Stiftung auch die St.Alban-Fähre, worauf sie ihren Namen in „Stiftung Basler Fähren“ änderte.

Die Fähren wurden von der Stiftung an die Fährmänner verpachtet. Der Fährbetrieb nach der Stiftungsgründung war aber defizitär. So wurde 1974 der „Verein Freunde Basler Fähren“ gegründet, der später in „Fähri-Verein Basel“ umbenannt wurde und dessen Zweck es ist, die finanziellen Mittel aufzutreiben, um das Defizit des Fähri-Betriebs auszugleichen.