Ordnungsgemässe Amtsübergabe von Donald Trump an Joe Biden läuft an

Zusammenfassung

Der „Dow Jones Industrial Average“ hat diese Woche - aufgrund der sich nun doch abzeichnenden reibungslosen

Amtsübergabe in den USA - vorübergehend zum ersten Mal die Marke von 30‘000 übersprungen. Auch der S&P 500 erreichte temporär ein neues Rekordhoch. Indes sind inzwischen viele positive Nachrichten in den Aktienmärkten eingepreist, sodass kurzfristig mit einer Konsolidierung gerechnet werden muss.

Aktuelle Situation

Der Optimismus, dass die Coronakrise mittelfristig mit Impfungen überwunden werden kann, hat nicht nur zu steigenden Aktienkursen geführt, sondern auch die Rohstoffpreise in die Höhe getrieben. So handelt der Ölpreis bei über USD 45 pro Fass und somit auf dem höchsten Stand seit Anfang März. Entsprechend haben sich in den letzten Tagen auch die Aktien aus dem Energiesektor teilweise erholt. Aber auch Kupfer handelt auf dem höchsten Stand seit 2014.

Andererseits haben steigende Rohstoffpreise bereits zu höheren Inflationserwartungen in der Eurozone und den USA geführt, wobei die nominalen Anleiherenditen unverändert auf historischen Tiefstständen notieren. Daher sinken die realen Renditen immer tiefer ins Minus, abgebildet in der 10-jährigen realen Bundesanleiherendite, welche mit -1.30% nur noch knapp über dem Tief vom März notiert. Dieses Muster spiegelt zu einem großen Teil die Verzerrungen durch die Anleihekäufe der jeweiligen Zentralbanken wider. In Anbetracht der massiv angestiegenen Verschuldung in den USA und der Eurozone ist es notwendig, dass negative Realrenditen in Euro und US-Dollar auch in den kommenden Jahren bestehen bleiben. Denn dies dürfte den einzig politisch akzeptablen Weg aufzeigen, um die Schuldenlast abzubauen.

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen äußerte sich sehr vorsichtig zu den Aussichten für einen zeitnahen Handelsvertrag der EU mit Großbritannien, der einen ungeordneten Brexit verhindern würde. Die kritischen Punkte sind unverändert die Staatshilfen, Arbeits- und Umweltstandards, Fischereirechte sowie die Durchsetzung und Überprüfung entsprechender Verträge. Bis Ende Jahr dürfte dennoch rechtzeitig ein Handelsvertrag zustande kommen.

Unsere Empfehlung

Wir rechnen in den USA weiterhin mit der Realisierung des „Biden-Split“-Szenarios, indem die Demokraten zwar den Präsidenten und Repräsentantenhaus stellen, der Senat jedoch in republikanischer Hand verbleibt. Dafür müssen die Republikaner bei den Nachwahlen im Januar in Georgia allerdings ihre zwei Sitze verteidigen. Zusammen mit der sich abzeichnenden raschen Verfügbarkeit von wirksamen Impfstoffen wird die Zuversicht der Markteilnehmer dadurch zunehmen und mittelfristig weitergehende Kursgewinne an den Aktienmärkten auslösen. Folglich haben wir die Übergewichtung der Aktienanlagen zuletzt erneut ausgebaut. Während wir für die zurückgebliebenen Sektoren (u.a. Industrie, zyklischer Konsum, Banken & Versicherungen) eine überdurchschnittliche Performance erwarten, dürfte der IT- und Technologiesektor nach den enormen Kursgewinnen der letzten Monate für einmal hinterherhinken. Regional stehen Europa und die Schwellenländer im Vordergrund, wobei letztere zusätzlich vom schwachen USD profitieren.

Taktische Positionierung

Obligationen: untergewichten; mittlere Laufzeiten bevorzugen, Unternehmensanleihen übergewichten
Aktien: Schweiz, USA, Japan übergewichten Schwellenländer und Europa neutral gewichten
Währungen: USD/CHF EUR/CHF teilweise absichern
Rohstoffe: neutral
Edelmetalle: Gold neutral
Immobilien: übergewichten (Anlagestiftungen, geschlossene Immobilienfonds)
Transaktionen: Aktien: - ; Kauf CFR, iShares Europa, iShares MDAX; Obligationen: -
Themen: Consumer Discretionary, Biotech, IT/Software, (Digital) Healthcare

Matthias Wirz, 27. November 2020