SNB beendet lange Periode mit Negativzinsen

Zusammenfassung

Nicht nur die amerikanische Notenbank (FED) hat wie erwartet ihren Leitzins um 0.75% auf 3.25% angehoben, sondern auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) beendete die über 7-jährige Phase der Negativzinsen.

Die SNB erhöhte ihren Leitzins von -0.25% auf 0.50% und damit wieder in den positiven Bereich. Damit soll dem anhaltenden Inflationsdruck entgegengewirkt und ein Übergreifen auf bisher weniger betroffene Waren und Dienstleistungen erschwert werden. Die SNB stellte zugleich weitere Zinsschritte in Aussicht. Der Spielraum dafür hat sich deutlich erhöht, seit das FED und die Europäische Zentralbank (EZB) bereits früher die Zinswende eingeleitet haben. Damit wird der Aufwertungsdruck auf den CHF zwar abnehmen, aber nicht aufhören, da die Teuerungsrate in der Schweiz im internationalen Vergleich deutlich tiefer ist. Gemäss Kaufkraftparität-Theorie dürfte folglich der Aufwertungstrend des CHF langfristig anhalten.

Aktuelle Situation

Das FED hat die Märkte mit der deutlichen Anhebung der Zinsprognosen auf 4.4% per Ende des Jahres und 4.6% im kommenden Jahr kaum überrascht. Hingegen wurden die Aussagen von FED-Chef Powell, dass möglicherweise eine Rezession notwendig sein wird, um die Inflationsdynamik zu brechen, negativ aufgenommen. Darauf stieg die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen (Treasuries) auf 3.71% und damit auf ein 11-Jahreshoch. Die Ausverkaufsstimmung an den Obligationenmärkten wird interessanterweise – laut Markt für inflationsgeschützte Anleihen - vor allem durch höhere Realrenditen und nicht von anziehenden Inflationserwartungen getrieben, wo doch die inzwischen deutliche Inversion der Zinsstrukturkurve eine Rezession signalisiert. Eine Erklärung könnte der Bilanzabbau des FED liefern, der zu einem Abbau von Treasuries im Wert von USD 90 Mrd. pro Monat führt. Empirische Untersuchungen zeigen, dass die quantitative Geldpolitik (Kauf von Treasuires) der letzten Jahre zu einem strukturellen Rückgang der realen Rendite in den USA um 1.5% geführt hat. Die Umkehrung dieser ausgesprochen expansiven Geldpolitik impliziert folglich ein Wiederanstieg der realen Rendite.

Die Erwartung der Marktteilnehmer, dass Notenbanken im Kampf gegen die ausufernde Inflation auch eine Rezession in Kauf nehmen, scheint tief verankert. Folglich ist es verfrüht, auf eine Umkehr der Inversion hin zu einer wieder normalen Zinskurve zu setzen. Allerdings ist es angesichts des raschen Konjunkturabschwungs vor allem in Europa höchst ungewiss, dass die im kommenden Jahr eingepreisten Leitzinserhöhungen bis auf einen Höchststand von 4.75% durch das FED und 3.25% durch die EZB auch realisiert werden. Wir erwarten entgegen dem Marktkonsens, dass sich die Teuerungsraten in den kommenden Monaten zurückbilden werden und sich die globale Konjunkturabschwächung vor allem in Europa und den Schwellenländern beschleunigen wird. Insgesamt ist deshalb in den kommenden Monaten mit fallenden Staatsanleiherenditen der bonitätsmässig starken Länder (USA, Schweiz, Deutschland) zu rechnen.

Unsere Empfehlung

Die Suche der Marktteilnehmer nach neuen „Gleichgewichtsniveaus“ bei Anleiherenditen, Aktienmarkt-Bewertungen und Wechselkursen wird die Volatilität infolge der Normalisierung der jahrelang ultra-expansiven Geldpolitik weiterhin hochhalten. Dennoch scheinen die Finanzmärkte äusserst negative Szenarien (Rezession, weitergehender Inflationsanstieg, Eskalation Ukrainekrieg, Energiekrise in Europa,…) zu berücksichtigen. Gleichzeitig ist ein Grossteil der Anleger aussergewöhnlich pessimistisch gegenüber Aktienanlagen eingestellt und in dieser Anlageklasse teilweise stark untergewichtet. Es ist deshalb in den kommenden Wochen mit einer technischen Erholung der risikotragenden Anlagekategorien zu rechnen. Wir setzen bei Aktienanlagen weiterhin auf defensive Märkte (USA, Schweiz, UK) und Sektoren (Gesundheit und Nahrungsmittel). Nicht zu empfehlen sind unverändert die zyklischen Märkte Europa und Schwellenländer.

Taktische Positionierung

Obligationen: Untergewichtung; mittlere Laufzeiten bevorzugen, Unternehmensanleihen übergewichten
Aktien: Übergewichtung; Schweiz, USA und UK übergewichten; Japan neutral gewichten; Schwellenländer und Europa untergewichten
Währungen: USD/CHF über 0.95 teilweise absichern und EUR/CHF unter 1.00 weniger absichern
Rohstoffe: Industriemetalle übergewichten
Edelmetalle: Gold übergewichten; Silber und Platin neutral
Immobilien: Übergewichtung (Anlagestiftungen, Immobilienfonds)
Transaktionen: Aktien: - ; Obligationen: -
Sektoren: Übergewichtung Gesundheit, nicht zyklischer Konsum, Versorger, Technologie Untergewichtung Industrie, zyklischer Konsum
Themen: Basismetalle und Energie


23.09.2022 / Matthias Wirz