Technologiekonzerne weiterhin im Hoch

Zusammenfassung

Ausgezeichnete Quartalsberichte der großen Technologiekonzerne Facebook, Apple und Amazon trieben diese Woche die Aktienmärkte weiter an. Die hohe Gewinndynamik der Technologiewerte dürfte zu erneuten Kapitalzuflüssen in diesen Sektor führen.


Aktuelle Situation

Auch wenn die amerikanische Notenbank (FED) für den Konjunkturverlauf zunehmend optimistisch bleibt, ist es gemäss FED-Chef Powell noch zu früh, eine «Tapering»-Diskussion (Beendigung der Anleihekäufe) zu starten. Daher schaut der Markt bereits auf die kommende Sitzung vom 16. Juni, wenn das FED ihre nächsten Konjunktur- und Zinsprognosen veröffentlichen wird. Weiterhin preist der Geldmarkt eine Wahrscheinlichkeit für einen ersten Zinsschritt des FED bereits im Dezember 2021 bei etwa 70 % ein. Wir schätzen dies als zu früh ein und rechnen erst im Verlaufe des nächsten Jahres mit Leitzinserhöhungen, aber auch nur, wenn wieder Vollbeschäftigung erreicht wird und die Inflationsrate zu stark ansteigen sollte.

Die Regierung Biden richtet mit ihrer Wirtschaftspolitik weiterhin mit der «grossen Kelle» an: der „American Families Plan“ umfasst USD 1’800 Mrd. und soll vor allem die sozialen Sicherungssysteme stärken. Ganz im Sinne der europäischen Sozialdemokraten unterstreichen die US-Demokraten zusammen mit den zuvor beschlossenen Programmen, dass der Staat nun auch in den USA eine markant wachsende Rolle spielen soll. Präsident Biden erfüllt damit seine Wahlkampfversprechen, auch wenn die Gegenfinanzierung über Steuererhöhungen für Unternehmen und «Reiche» noch nicht gesichert ist. Die Hürden im Kongress zur Verabschiedung der Programme sind jedenfalls hoch.

Trotz des säkularen Rückgangs der Anleiherenditen haben die grossen Pensionsfonds wichtiger US-Unternehmen, welche über Vermögen von zusammen knapp USD 2’000 Mrd. verfügen, in den letzten 15 Jahren aus regulatorischen Gründen ihre Aktienquote von etwa 60% auf zuletzt 30% gesenkt und die Obligationenquote von 30% auf etwa 50% angehoben. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen, insbesondere dann, wenn US–Staatsanleihen Renditeniveaus von 2% übertreffen sollten. Zusammen mit den FED-Käufen dürfte dadurch der Renditeanstieg am langen Ende begrenzt bleiben.

Eine Vielzahl von Wirtschaftsdaten aus der Eurozone und den USA haben zum Wochenschluss die Obligationenmärkte belastet. Das Wirtschaftsvertrauen in der Eurozone hat im April von 100.9 auf 110.3 stark zugelegt, dazu ist die Inflationsrate in Deutschland von 1.7% auf 2.0% angestiegen. In den USA hat sich ausserdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 1. Quartal um 6.4% erhöht, angetrieben vom dynamischen privaten Konsum.

Unsere Empfehlung

In der Anlagetaktik bleiben wir in Aktienanlagen unverändert leicht übergewichtet, da wir nach einer Konsolidierungsphase ab der zweiten Jahreshälfte wieder zunehmendes Kurspotential sehen.

Taktische Positionierung

Obligationen: untergewichten; mittlere Laufzeiten bevorzugen, Unternehmensanleihen übergewichten
Aktien: leichte Übergewichtung; Schweiz, UK übergewichten USA und Japan neutral gewichten, Europa und Schwellenländer untergewichten
Währungen: USD/CHF über 0.93 und EUR/CHF über 1.10 teilweise absichern
Rohstoffe: Industriemetalle übergewichten
Edelmetalle: Gold neutral, Silber und Platin übergewichten
Immobilien: übergewichten (Anlagestiftungen, geschlossene Immobilienfonds)
Transaktionen: Aktien: Obligationen:
Themen:
Sektoren Healthcare, Consumer Staples, Utilities

30.04.2021 / Matthias Wirz