Wieweit kann der Bitcoin-Kurs noch steigen?

Zusammenfassung

Nach wie vor befinden sich die weltweiten Aktienmärkte im Aufwärtstrend, wenngleich die Dynamik zuletzt abgenommen hat. Während die Börsen in Europa und den USA nur noch leichte Zugewinne von 1%-2% verzeichneten, gewannen die asiatischen Märkte zwischen 4% (Japan) und 5% (China) hinzu.

Aktuelle Situation

In den USA ist der Konsumentenpreisindex entgegen den Erwartungen nicht angestiegen und verharrte bei 1.4%. Die Kernrate - unter Ausklammerung der volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreise – sank sogar von 1.6% auf 1.4%. Damit verflüchtigen sich vorerst die zuletzt aufgekommenen Inflationsängste am Obligationenmarkt, worauf die 10-jährigen USD-Renditen wieder leicht von 1.17% auf 1.15% sanken. Obwohl die historisch einmalige expansive Geld- und Fiskalpolitik mittelfristig freilich zu einem deutlichen Anstieg der Inflationsrate führen müsste, wird die amerikanischen Notenbank (FED) eine frühzeitige Diskussion um ein Abbremsen der Anleihekäufe («Tapering») möglichst vermeiden wollen. Einem dadurch ausgelösten Anstieg der langfristigen (nominalen) Zinsen will das FED entschlossen entgegenwirken, sodass die realen Zinsen in den nächsten Jahren negativ bleiben dürften. Auf diese Weise kann der - aufgrund der Coronakrise - massiv angestiegene Schuldenberg im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung abgetragen werden.

In Europa kommt der EU-Wiederaufbaufonds nur langsam voran, obwohl das EU-Parlament dem Paket diese Woche zustimmte. Es ist unwahrscheinlich, dass vor der zweiten Jahreshälfte 2021 das erste Geld fließen wird, da zunächst alle EU-Staaten die gemeinsame Schuldenaufnahme der EU ratifizieren müssen. Dadurch gerät Europa im Konjunkturaufschwung im Vergleich zu den USA und China ins Hintertreffen.

Auf dem Rohstoffmarkt zeichnet sich vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden globalen Konjunkturaufschwungs und der Energiewende eine Neubewertung der Industriemetalle ab. Der Kupferpreis ist bereits auf den höchsten Stand seit 2012 angestiegen und widerspiegelt damit die zunehmende Aktivität im verarbeitenden Sektor. Bereits wird Kupfer, Eisen, Stahl und Nickel zunehmend knapper, weil das relativ unelastische Angebot mit der steigenden Nachfrage nicht mithalten kann.

Unsere Empfehlung

Die Nachricht, dass Tesla USD 1.5 Mrd. in Bitcoins (XBT) investiert hat und in absehbarer Zeit XBT als Zahlungsmittel einsetzen will, hat den XBT gegenüber dem USD auf neue Höchststände (USD 47'500) getrieben. Sollten andere angesehene Unternehmen dem Beispiel von Tesla folgen, wird das Vertrauen der Anleger und die Akzeptanz in der Öffentlichkeit weiter gesteigert. Allerdings fragt sich, ob XBT die Anforderungen an eine Währung – Zahlungsmittel, Recheneinheit und Wertaufbewahrungsmittel – zu erfüllen vermag. Insbesondere die Anforderung an ein Wertaufbewahrungsmittel ist mit einer Volatilität von über 70% im Vergleich zum USD/CHF-Wechselkurs mit 6% kaum gegeben. Auch ist XBT im Gegensatz zum CHF oder USD nicht mit Gold und Devisenreserven hinterlegt. Es stellt sich deshalb die Frage, ob das Vertrauen der Anleger in XBT im Falle einer starken Börsenkorrektur oder steigender Zinsen nicht sehr schnell erodiert. Der zuletzt exponentielle Kursverlauf von XBT sprich zudem für eine Übertreibung, ausgelöst durch euphorische und gierige Anleger. Ferner wird ein anderes, bisher wenig beachtetes Risiko kaum berücksichtigt: die Gesetzgebung und Zentralbanken. Beide haben wenig Interesse daran, dass sich eine Parallelwährung etabliert, weshalb mit regulatorischen Eingriffen zu rechnen ist.

Taktische Positionierung

Obligationen: untergewichten; mittlere Laufzeiten bevorzugen, Unternehmensanleihen übergewichten
Aktien: Abbau Übergewichtung; Schweiz übergewichten, USA, UK und Japan neutral gewichten, Europa und Schwellenländer untergewichten
Währungen: USD mit Aufwertungspotential, daher weniger absichern
Rohstoffe: neutral
Edelmetalle: Gold neutral
Immobilien: übergewichten (Anlagestiftungen, geschlossene Immobilienfonds)
Transaktionen: Aktien: ; Obligationen: -
Themen: Healthcare, Consumer Staples, Utilities, Biotech, IT/Software

12.02.2021 / Matthias Wirz