«Als Historiker hat Oswald Inglin auf faszinierende Art und Weise die Reise in die Basler Vergangenheit des Zweiten Weltkriegs angetreten.» Olaf Zehnder

Basler Bunker

Die Befestigung Basels im Zweiten Weltkrieg

Soldatenmaler Fritz Pümpin, Bunker vor dem Kunstmuseum (1944, Öl auf Leinwand, © Historisches Museum Basel, Natascha Jansen) 

Bis im Juni 1940 gab es in der Stadt Basel über 500 Stellungen und Sperren, die die Stadt in eine regelrechte Festung verwandelten, die im Ernstfall von etwa 12'000 Soldaten bewacht und verteidigt worden wäre. Lebendige Stadtgeschichte, recherchiert und aufgearbeitet im Buch «Basler Bunker- Die Befestigung Basels im Zweiten Weltkrieg» von Oswald Inglin (erschienen im Friedrich Reinhardt Verlag, 2. Auflage April 2026).

Im untenstehenden Interview, geführt von Olaf Zehnder, erfahren Sie spannendes zu der Entstehung dieses Buches. 

UG Basler Bunker von Oswald Inglin
UG Basler Bunker von Oswald Inglin

Herr Inglin, sie sind Historiker und waren Gymnasiallehrer für Englisch und Geschichte am Gymnasium Leonhard in Basel. Wie sind Sie darauf gekommen, ein Buch über die Basler Befestigung im Zweiten Weltkrieg zu schreiben?

Der Ursprung dieses Buches ist der Badische Bahnhof. In früheren Jahren habe ich meinen Militärdienst im Stadtkommando geleistet, und in einer Übung mussten wir den Bahnhof bewachen. Dabei habe ich so einiges über das Innenleben des Riesengebäudes und die legendären Verbindungsgänge zur Wiese und zum Rhein in Erfahrung gebracht. In der Folge habe ich mich mit der Lösung des Problems meiner Vorgänger im Stadtkommando im Zweiten Weltkrieg auseinandergesetzt und mich auch über die Befestigungen ausserhalb des Bahnhofs kundig gemacht. Leider wurde dieser Aspekt der Basler Stadtgeschichte bis jetzt nicht dokumentiert, nicht zuletzt auch, weil das liberale Basel sich schwer mit Militaria tut. Auch in der neuen Basler Geschichte gibt es nur ein kleines Kapitel über den Zweiten Weltkrieg.

An wen mussten Sie sich wenden und woher bekamen Sie die Informationen?

Ein langjähriger Freund, Markus Meier – mit ihm habe ich die UOS gemacht –, hat mich tatkräftig bei der Aktensuche im Bundesarchiv unterstützt. Im Staatsarchiv befinden sich von den verschiedenen Anlagen ebenfalls sehr viele Fotografien von professionellen Fotografen. Markus Meier war eine grosse Hilfe, kennt er doch praktisch jeden Stein, der in der Nordwestschweiz im Zweiten Weltkrieg verbaut wurde.

Wie viele Befestigungen gab es dazumal in der Stadt Basel und wie viele haben bis heute überlebt?

Bis zum Juni 1940 gab es in der Stadt Basel über 500 Stellungen und Sperren, davon 85 betonierte Bunker. Heute stehen nur noch 12 (unter anderem unter der Wettsteinbrücke und am Walkenweg der Bunker „Beatrice“). Entlang der Elsässer Bahn stehen immerhin noch 286 Högger, zudem waren alle Brücken bis 2009 scharf geladen. Um 1940 war die Stadt eine regelrechte Festung, die von 12’000 Mann unter dem Kommando von Oberst Hans de Bary (1894–1968) bewacht wurde. Die Rheinstadt war mit ihren Brücken ein wichtiger strategischer Ort, durch den man die Maginotlinie hätte umgehen können. Die Strategie von Oberst de Bary war die Verteidigung der Stadt, Strasse um Strasse, Haus um Haus. Basel hatte 1939 170’000 Einwohner, davon waren 10’000 deutsche Staatsbürger. Für Hitler-Deutschland war die Schweiz enorm wertvoll: als Bankenplatz, als Wirtschaftsstandort und als Nachrichtenplatz. Eine Besetzung erschien unter diesen Faktoren wenig sinnvoll und hätte zu viele Ressourcen gebraucht. Nachdem Frankreich kapituliert hatte, entschied General Guisan im Juni 1940, das Réduit zu beziehen und Basel bei einem Angriff zur offenen Stadt zu erklären.

Schutzschilder vor Kellerfenstern bei der ehemaligen Handwerkerbank an der Freien Strasse 111
Schutzschilder vor Kellerfenstern bei der ehemaligen Handwerkerbank an der Freien Strasse 111

Sie haben mir geschildert, dass Sie am 14. Mai 2026 einen der noch existierenden Bunker unterhalb der Alten Universität geöffnet haben. Wie nervös waren Sie und gab es Überraschungen?

Ich wollte natürlich schon wissen, wie es genau innen aussehen würde, das ist klar! Der Zutritt war halb legal, da dieser Bunker nicht im Register des VBS war. Also musste er im Verzeichnis der Stadt Basel sein. Ein ehemaliger Angehöriger des Festungswachkorps, der früher für die Bunker zuständig war, half mir dann beim Zutritt. Die Überraschung war, dass heute durch diesen Bunker die Abluft der Klimaanlage der Alten Universität geführt wird und sich darin entsprechend ein grosser Aluminiumkanal befindet, der die Abluft durch eine ehemalige Schiessscharte nach aussen leitet.

Oswald Inglin
«Der Ursprung dieses Buches ist der Badische Bahnhof.» Oswald Inglin, Gastautor
Bar mit Holz- und Eisenbalken, Sandsäcke mit Dachpappe geschützt: Rosentalstrasse/Schwarzwaldallee
Bar mit Holz- und Eisenbalken, Sandsäcke mit Dachpappe geschützt: Rosentalstrasse/Schwarzwaldallee

Stiessen Sie bei Ihren Nachforschungen auf Schwierigkeiten? 

Man muss immer zuerst die zuständige Person finden. In welchem Departement sitzt sie und wer hat genau den Zugang zum Bunker – der Kanton, der Bund? Das ist nicht immer einfach und bringt einen gewissen Zeitaufwand mit sich.

Wie lange haben Sie an dem Buch gearbeitet?

Das waren insgesamt fünf Jahre!

Das ist doch eine respektable Zeit. Sie machen auch verschiedene Stadtführungen. Werden dabei auch Bunkerbesichtigungen eingebaut?

Das Rathaus, das Basler Münster und auch der Badische Bahnhof. Dazu muss ich sagen, dass pro Jahr nur fünf Führungen à 13 Personen zugelassen sind, da jeweils ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn dabei sein muss und diese bis und mit 2027 bereits ausgebucht sind. Aber 2028 findet sich bestimmt noch ein Platz … Für spezifische Bunkerführungen habe ich genaue Vorstellungen. Aber dazu müssten noch einige Bewilligungen eingeholt und Instandsetzungsarbeiten ausgeführt werden.

Wo kann man sich für die Führungen anmelden?

Auf meiner Webseite www.osi-inglin.ch werden sämtliche Führungen beschrieben. Oder man kann eine E-Mail schreiben an: osi.inglin(at)bluewin.ch.

Haben Sie aktuell noch weitere Projekte?

Mein nächstes Buch wird über den Dalbedyych und seine ehemaligen Gewerbe sein.

Welches Ihrer Werke ist Ihnen speziell ans Herz gewachsen und warum?

Das ist bestimmt meine Dissertation: „Der stille Krieg“. Diese behandelt den Wirtschaftskrieg zwischen Grossbritannien und der Schweiz im Zweiten Weltkrieg.

Herr Inglin, haben Sie besten Dank für das interessante und ausführliche Gespräch über Ihr neues Buch «Basler Bunker». Es lohnt sich nicht nur, das Buch durchzublättern, sondern ebenfalls die verschiedenen Zeitzeugen in der Stadt aufzusuchen. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Inspiration, Kreativität und Ausdauer.

Olaf Zehnder, 09. Juni 2026