«Positiver Start ins neue Jahr.» Matthias Wirz
Leiter Anlagestrategie und Vermögensverwaltung, Partner
«Positiver Start ins neue Jahr.» Matthias Wirz, Leiter Anlagestrategie und Vermögensverwaltung, Partner
Der amerikanische Präsident Donald Trump hat übers Wochenende Strafzölle von 10% für acht europäische Staaten ab dem 1. Februar angekündigt, welche Truppen nach Grönland gesandt haben. Diese Länder haben als Reaktion gleichfalls Zölle im Umfang von EUR 93 Mrd. ab dem 6. Februar beschlossen. Damit eskaliert der Streit um Grönland, wenngleich in den nächsten zwei Wochen Verhandlungen geführt werden sollen, welche am Ende zu einer Lösung des Problems führen könnten.
Grundsätzlich hat das Jahr an den Aktienmärkten jedoch so angefangen, wie es aufgehört hat: mit steigenden Kursen auf sämtlichen Märkten. Dabei sticht besonders der japanische Markt hervor, der seit Jahresbeginn um über 6% gestiegen ist, dicht gefolgt von den Schwellenländern mit 5%. Die europäischen und amerikanischen Märkte konnten nicht ganz mithalten, zeigten aber mit 4% (Euro Stoxx 50) und 1.5% (S&P 500) ebenfalls ansehnliche Erträge. In der Schweiz ragten für einmal die kleinen und mittleren Unternehmen hervor, welche - gemessen am SPIEX und SMIM - um je 3.7% zulegten. Diese haben damit den SPI (+1.7%) und SMI (+1.2%) für einmal deutlich ausgestochen.
Die positive Stimmung der Anleger hat somit über den Jahreswechsel trotz den erheblichen geopolitischen Risiken (Venezuela, Iran, Grönland, Ukraine) angehalten, angetrieben durch positive fundamentale Faktoren. Hierbei sind vor allem die in den USA anhaltend positive Gewinnentwicklung der Unternehmen zu nennen: für 2026 wird eine durchschnittliche Gewinnwachstumsrate der im S&P 500 enthaltenen Unternehmen von über 14% erwartet, nachdem bereits 2025 eine Rate von über 12% verzeichnet wurde. Darüber hinaus verharren die Margen der Unternehmen auf zweistelligem Niveau. Fast noch ausschlaggebender war zudem das fallende Zinsniveau, das in den letzten Monaten vor allem am kurzen Ende kräftig um über 0.5% gefallen ist.
Dennoch stellt sich bei der Mehrzahl der Aktienmärkte inzwischen die Frage nach der Bewertung, welche – gemessen am Kurs-Gewinnverhältnis – nach der Rallye im Dezember vielerorts teilweise deutlich über dem historischen Durchschnitt liegt. Dennoch kann die Überbewertung aufgrund der global expansiven Geld- und Fiskalpolitik noch länger anhalten. Dafür spricht zudem, dass sich die Teuerungsraten zwar langsam, aber stetig in den Zielbereich der Notenbanken zurückbilden. Die Kern-Inflationsrate ist in den USA im Dezember nur um 0.2% oder annualisiert 2.4% angestiegen, woraus sich ein vergrösserter Spielraum der FED für Leitzinssenkungen ergibt. Der Geldmarkt erwartet denn auch zwei Leitzinssenkungen von je 0.25% bis Ende 2026. Die Einzelhandelsumsätze (ohne volatile Autos und Energie) zeigten im November trotz negativer Vormonatsrevisionen einen kräftigen Anstieg um 0.4%. Der private Konsum bildet demzufolge weiterhin die robuste Stütze des US-Wirtschaftswachstums.
Die Berichtstätigkeit der Unternehmen zum 4. Quartal hat traditionell mit den grossen US-Banken begonnen, welche ein gemischtes Bild ablieferten. Neben JPMorgan haben auch die Zahlen von Bank of America, Wells Fargo und Citigroup die Markteilnehmer nicht vollständig überzeugt, sodass in der Berichtswoche ein Minus von 3-5% resultierte.
In Deutschland hat das Wirtschaftswachstum im Jahr 2025 erneut enttäuscht, ist aber mit +0.2% im Gegensatz zu den zwei Vorjahren immerhin nicht weiter geschrumpft. Der private und staatliche Konsum zog die gesamtwirtschaftliche Leistung über die Nulllinie, während die Investitionen erneut sanken und auch der Aussenbeitrag (mehr Importe aus China, weniger Exporte) das Wachstum belastete. Das Ausbleiben von Strukturreformen in der Arbeits-, Steuer- und Sozialpolitik lässt auch künftig wenig Optimismus in der deutschen Wirtschaft erwarten. Desgleichen signalisiert der Ifo-Konjunkturindikator, der nach einem kurzen Aufbäumen im letzten Jahr wieder nachgelassen hat, für die nächsten Monate flaues Wachstum.
In der taktischen Anlagepolitik halten wir aufgrund der oben genannten expansiven Wirtschaftspolitik und der tiefen Zinsen an der Übergewichtung der Aktienquote vorerst fest. Gleichzeitig naht der Punkt, an dem ein Rebalancing (Rückführung der Aktienquote auf die Sollquote) durchgeführt werden muss.
Mittlerweile verzeichnet auch der Schweizer Aktienmarkt ein KGV von über 20 und damit nahe am langfristigen Durchschnitt von 21.5. Gleichwohl ist die jüngste positive Kursbewegung grösstenteils auf die Indexschwergewichte Novartis, Roche, UBS, Lonza und ABB zurückzuführen. Dagegen finden sich mit den zurückgebliebenen Versicherungen Swiss Life, Zürich Versicherung und Swiss Re attraktiv bewertete Titel. Aufholpotential verzeichnen ferner Richemont, Nestlé, Sika und Logitech.
Wie verschiedentlich an dieser Stelle bereits erwähnt, finden sich auf dem Obligationenmarkt aufgrund des äusserst tiefen Zinsniveaus bei gleichzeitig geringen Kreditrisikoprämien kaum mehr Anleihen mit attraktivem Preis-Wert-Verhältnis. Emittenten bevorzugen in konsequenter Weise lange Laufzeiten mit tiefen Kreditrisikoprämien, wodurch für Anleger die Zins- und Kreditrisiken zunehmen.
Bei börsenkotierten Immobilienanlagen ist infolge der hohen Aufpreise zum inneren Wert ebenfalls Zurückhaltung angezeigt.
Im Rohstoffsektor dürfte sich nach den zuletzt starken Kursavancen eine Konsolidierung insbesondere bei Gold, Silber und Kupfer einstellen. Grundsätzlich empfehlen wir jedoch Kursrückschläge zum Kauf von Kollektivanlagen in Edel- und Basismetallen, da langfristig erhebliche Angebotsdefizite bestehen.
Obligationen: Untergewichtung; 4 – 8-jährige Laufzeiten bevorzugen
Aktien: Leichte Übergewichtung; Schweiz und USA bevorzugen
Währungen: USD/CHF über 0.80 absichern; EUR/CHF über 0.94 absichern
Rohstoffe: Industriemetalle übergewichten und Energie untergewichten
Edelmetalle: Gold übergewichten, Goldminenaktien attraktiv
Immobilien: Übergewichtung (Anlagestiftungen, Immobilienfonds)
Transaktionen: Aktien:- ; Obligationen: -
Sektoren: Übergewichtung Technologie, nicht-zyklischer Konsum, Versorger.
Matthias Wirz, 19. Januar 2026