«Trotz Ölpreisschock ist keine Rezession zu erwarten.» Matthias Wirz
Leiter Anlagestrategie und Vermögensverwaltung, Partner
«Trotz Ölpreisschock ist keine Rezession zu erwarten.» Matthias Wirz, Leiter Anlagestrategie und Vermögensverwaltung, Partner
Eine Woche Krieg zwischen Iran und der Koalition zwischen den USA und Israel hat an den weltweiten Aktienmärkten zu Verlusten von zwischen 3.5% (S&P 500), 7.5% (SPI), 7% (DAX) und 9% (Nikkei) geführt. Befürchtungen, dass sich der Krieg zu einem Flächenbrand im gesamten Nahen Osten ausweitet, haben die Finanzmärkte erheblich verunsichert. Sorge bereitet insbesondere eine mögliche Blockade der Strasse von Hormus, durch die 20% des weltweiten Ölhandels abgewickelt wird. Dadurch könnten Lieferketten unterbrochen werden, sowie ein weitergehender, massiver Ölpreisanstieg auf über USD 130 pro Barrel resultieren. Der Schiffsverkehr durch die Meerenge ist bereits nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Der Ölpreis lag zeitweise in der Spitze bei knapp unter USD 120 pro Barrel (Brent), bildete sich nach der Freigabe strategischer Reserven einiger Länder indes auf USD 107 zurück.
Steigende Risikoprämien (Credit Spread) verzeichnet auch der Markt für hochverzinsliche Anleihen. Die erhöhte Risikoaversion manifestiert sich in der Berichtswoche im sprunghaften Anstieg des Credit Spreads von rekordtiefen 2.5% auf 3.1%, historisch häufig ein verlässlicher Frühindikator für anhaltende Verwerfungen an den Finanzmärkten.
Im Folgenden werden die Erwartungen an den Obligationenmärkten bezüglich der wirtschaftlichen Konsequenzen des Irankriegs näher beleuchtet:
Die Teuerungserwartungen der Marktteilnehmer haben sich bisher nicht fühlbar erhöht, abzulesen an den inflationsgeschützten 10-jährigen Anleihen (TIPS) eingepreisten InfIationserwartungen. Diese sind seit Kriegsausbruch in USD nur um 0.09% von 2.26% auf 2.35% angestiegen. Demzufolge geht der Markt lediglich von einem vorübergehenden Angebotsschock aus, ohne längerfristige Teuerungsimpulse. Bei den deutschen TIPS war die Bewegung mit einer Erhöhung von 1.82% auf 2.06% etwas kräftiger, aber (noch) nicht besorgniserregend. Gleichzeitig haben die nominalen Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen in den USA und Eurozone um jeweils 0.24% angezogen, woraus sich ein Anstieg der realen Rendite um 0.15% in USD und 0.24% in EUR errechnet. In der Annahme, dass die reale Rendite als Frühsignal für das reale Wirtschaftswachstum interpretiert werden kann, geht der Markt in der kurzen Frist (bisher) nicht von erheblichen Wachstumsverlusten durch den Iran-Krieg aus. Allerdings wird der Realzins langfristig deutlich stärker durch demografische Trends und die Geldpolitik beeinflusst (z.B. durch quantitative Lockerung/Straffung).
Sofern der Krieg regional und zeitlich begrenzt bleibt, dürfte der Schaden für die Weltwirtschaft bloss ein geringfügiges Ausmass annehmen und die Teuerungsrate allein vorübergehend ansteigen. Tatsächlich hat sich die Energieintensität des US-Wirtschaftsleistung (BIP) seit der 1. Ölkrise 1973 um rund 60-70% reduziert, zurückzuführen auf Effizienzgewinne, technologischen Fortschritt und erneuerbare Energien. In Europa sind es im selben Zeitraum rund 50%. Die Markterwartung, dass der aktuelle Ölpreisschock nur einen begrenzten Einfluss auf Konjunktur und Inflation hat, macht deshalb durchaus Sinn. Dennoch besteht das Risiko-Szenario in einer Eskalation und Ausweitung des Kriegs, wodurch das Wirtschaftswachstum mittelfristig vor allem in den stark von Energieimporten abhängigen Regionen Europas und Asiens erheblich leiden würde. Dabei würden der private Konsum und die Investitionstätigkeit der Unternehmen empfindlich beeinträchtigt.
Weniger betroffen sind die USA als Energie-Nettoexporteur, wo gleichzeitig die Einkaufsmanagerindizes (ISM) für die USA eine Zunahme der wirtschaftlichen Dynamik signalisieren. Der ISM für die Industrie sprang im Januar nach einer langen Phase unter 50 kraftvoll auf 52.6 und sank im Februar nur minimal auf 52.4. Der ISM für Dienstleistungen legte gleichzeitig von 53.8 auf 56.1 im Februar zu, auf den höchsten Stand seit fast vier Jahren.
Nachdem der Arbeitsmarktbericht im Vormonat noch ein kräftiger Aufbau von 130'000 neuen Stellen zeigte, wurde für Februar ein überraschend starker Rückgang von 92'000 Stellen vermeldet. Darüber hinaus wurde die Neu-Beschäftigung der letzten zwei Monate um total 69'000 nach unten revidiert. Die Arbeitslosenquote stieg von 4.3% auf 4.4%, wobei sich das Lohnwachstum moderat beschleunigte. Damit tendiert der Arbeitsmarkt nach einer kurzzeitigen Erholung erneut zur Schwäche.
In China hat der Nationale Volkskongress 2026 begonnen, auf dem bereits das neue Wachstumsziel für dieses Jahr von 4.5% bis 5.0% verkündet wurde. Dieses ist der niedrigste Wert seit 1991 und zeigt die Belastung der nach wie vor ungelösten Probleme des Immobiliensektors auf.
An unserem vierteljährlich tagenden Anlageausschuss wurde an der Übergewichtung der Aktienanlagen zu Lasten der Obligationenquote festgehalten, da auch für dieses Jahr trotz vielfacher geopolitischer Risiken und deutlich höherer Energiepreise keine weltweite Rezession zu erwarten ist. Im Falle des oben beschriebenen Risikoszenarios dürfte das globale Wachstum zwar an Fahrt verlieren, jedoch nicht gänzlich einbrechen. Zudem bleibt der Fokus unverändert auf die Schweiz gerichtet, da der hiesige Aktienmarkt ein hohes Gewicht an den konjunkturunabhängigen, defensiven Sektoren Gesundheit und nicht-zyklischer Konsum ausweist. Die darin enthaltenen Unternehmen wie zum Beispiel Novartis, Roche und Nestlé sollten in einem unsicheren fundamentalen Umfeld eine überdurchschnittliche Performance erzielen. Sollten die Aktienmärkte in den nächsten Tagen und Wochen weiter korrigieren, drängt sich zudem ein Rebalancing (Widerherstellung der ursprünglichen Aktienquote mittels Zukäufe) auf.
Ausserdem ist Gold infolge der laufenden (leichten) Preiskorrektur attraktiver geworden, weshalb wir zu Zukäufen raten. Dasselbe gilt auch für Goldminenaktien, welche ausgeprägter auf Änderungen des Goldpreises reagieren. Zurzeit wird Gold durch den erstarkten USD und die leicht höheren Zinsen belastet. Mittelfristig dürfte der Goldpreis ebenso weiter steigen, wie die Industriemetalle (Kupfer), wo ein langfristiges strukturelles Angebotsdefizit besteht.
Im Weiteren bilden indirekte Immobilienanlagen ein fester Bestandteil in unseren gemischten Portfolios. Zurzeit sind kotierte Immobilienfonds mit einem Aufpreis von durchschnittlich 38% zum inneren Wert (SWIIT-Index) gewiss als teuer einzustufen. Ausweichmöglichkeiten bestehen allenfalls in nicht kotierten Immobilienfonds, Beteiligungsgesellschaften oder Anlagestiftungen. Letztere sind allerdings nur für Vorsorgewerke investierbar.
Obligationen: Untergewichtung; 4 – 8-jährige Laufzeiten bevorzugen
Aktien: Leichte Übergewichtung; Schweiz und USA bevorzugen
Währungen: USD/CHF über 0.80 absichern; EUR/CHF über 0.94 absichern
Rohstoffe: Industriemetalle übergewichten
Edelmetalle: Gold übergewichten, Goldminenaktien attraktiv
Immobilien: Übergewichtung (Anlagestiftungen, Immobilienfonds)
Transaktionen: Aktien:- ; Obligationen: -
Sektoren: Übergewichtung Gesundheit, nicht-zyklischer Konsum, Versorger.
Matthias Wirz, 09. März 2026