«Die Konsolidierung an den Aktienmärkten ist mit einem Kursrückgang von 2.5% bislang moderat ausgefallen» Matthias Wirz

Ist der Goldrausch vorbei?

  • Positive Gewinnüberraschungen erreichen im 3. Quartal hohe 83.3%
  • Fundamentale Treiber für erneut steigenden Goldpreis intakt
  • Tiefgreifende Transformation des Nestlé-Konzerns
Matthias Wirz
«Die steigenden Aktienmärkte sind in erster Linie auf das fallende allgemeine Zinsniveau zurückzuführen.» Matthias Wirz, Leiter Anlagestrategie und Vermögensverwaltung, Partner

Die zwischenzeitlichen Bedenken über weitere Zinssenkungsschritte der amerikanischen Notenbank (FED) wurden durch die jüngsten (privaten) Konjunkturindikatoren und Arbeitsmarktberichte nicht weniger. Während die ADP-Zahlen zur Beschäftigung im Oktober einen etwas stärkeren Aufbau als erwartet (42'000 statt 30’000) zeigten, signalisierte der «Challenger»-Bericht einen erheblichen Anstieg der angekündigten Stellenkürzungen im Oktober. Es ist deshalb unklar, ob auch der öffentliche Bericht eine Verschlechterung des Arbeitsmarkts signalisieren wird, falls dieser trotz «Shutdown» (Stillstand der öffentlichen Betriebe) kurzfristig überhaupt veröffentlicht wird.

 


Aktuelle Situation

Ganz anders präsentiert ich die Lage in Deutschland, besonders im Automobilsektor. Infolge der Gewinnwarnungen von BMW, VW und Porsche wurde aus dem erwarteten Gewinnplus beim zyklischen Konsum (hierbei vor allem die Autohersteller und Adidas) von +32% innert Kürze ein Minus von 33%! Folglich verschlechterte sich der anfangs positive Wachstumsbeitrag für den DAX gegenüber Anfang September massiv. Dadurch fiel das erwartete Gewinnplus des DAX insgesamt von ursprünglich 15.9% auf nur noch 2.9% zurück.

An der Zollfront dürfte das beabsichtigte Treffen zwischen Trump und Xi für kommende Woche in Südkorea für Entlastung sorgen. Ein konstruktiver Abschluss des Meetings könnte den von Trump angedrohten Zoll von 100% für Importe aus China verhindern.
Der Druck auf China für ein Handelsabkommen steigt auch darum an, weil inzwischen ein Vertrag mit Indien, der die Zölle von 50% auf etwa 15% reduzieren würde, offenbar kurz vor dem Abschluss steht.

Im Ukrainekonflikt zeichnet sich dagegen weiterhin keine Entspannung ab. Das Treffen zwischen Trump und Putin wurde abgesagt, während die EU versucht, mit einem 12-Punkteplan für einen Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine zu sorgen. Ungemach für Russland droht jedoch vor allem aufgrund der von den USA verhängten Sanktionen gegen dessen grösste Ölunternehmen Lukoil und Rosneft. Bereits scheinen sich Indien und China, bisher treue Abnehmer russischen Öls, nach anderen Lieferanten umzuschauen. Dadurch dürfte sich der Ölpreis in den kommenden Wochen weiter erholen und wieder im Bereich von USD 65 notieren, nach zuletzt rund USD 60.

Nach der wochenlangen Gold-Rallye, die buchstäblich einem «Goldrausch» gleichkam, erfolgte in der Berichtswoche schlagartig die stärkste Korrektur der vergangenen vier Jahre (> 5%). Vom Zwischentief bei USD 4’002 pro Unze konnte sich der Preis inzwischen leicht erholen, wobei Gold weiterhin rund 17% über der 200-Tagelinie notiert und damit einen nachhaltig steigenden Trend ausweist. Stärker als der Goldpreis verloren die Goldminenaktien, wobei der Goldminenindex in der Spitze bis zu 14% verlor. Trotz der (überfälligen) Korrektur bei Gold bleiben jedoch die fundamentalen Treiber für einen mittelfristig erneut steigenden Goldpreis intakt: 

Zentralbankkäufe (China), expansive Geldpolitik der Notenbanken und dadurch tiefe Zinsen, Abwertung des USD, ETF-Käufe durch Privatanleger und hohe Schulden in den Industrieländern.


Unsere Empfehlung

Bislang ist die von uns erwartete Konsolidierung an den Aktienmärkten moderat ausgefallen, grundsätzlich ein positives Zeichen. Es hat sich vielmehr eine Seitwärtsentwicklung bei leicht höherer Volatilität eingestellt. Gegen das Jahresende könnten – wie so oft in der Vergangenheit – die Aktienmärkte erneut mit Kursgewinnen aufwarten, trotz historisch hoher Bewertung der US-Märkte. Neben der trotz Zöllen erstaunlich resilienten Weltkonjunktur und daher einer positiven Gewinnentwicklung der Unternehmen, ist dafür in erster Linie das tiefe Zinsniveau in den wichtigsten Währungsräumen verantwortlich. Dementsprechend sank die 10-jährige US-Staatsanleiherendite von 4.5% Mitte Juli auf zurzeit 4%. In Europa verharrten die bereits tiefen langfristigen Renditen bei 2.5% in Deutschland und 0.10% in der Schweiz.

In der taktischen Anlagepolitik halten wir an der leichten Übergewichtung der Aktienquote fest. Obwohl wir in den vergangenen Wochen die Übergewichtung der Technologieaktien etwas abgebaut haben, verzeichnen die USA im Bereich Aktien Ausland die mit Abstand höchste Gewichtung. Wesentliche Gründe hierfür sind die enormen Investitionsvolumen in KI und hohen Gewinnwachstumsraten der Technologieunternehmen. 

Unverändert attraktiv bewertet sind Schweizer Aktien mit einem Kursgewinn/Verhältnis von 19.5 im Vergleich zum historischen Durchschnitt von 21.5 und einer Risikoprämie (Gewinnrendite-Risikoloser Zinssatz) von 5%. Unsere Favoriten sind dabei Novartis, Roche, Swiss Life, Holzim, ABB und UBS. Ausserdem sollte Nestlé mit dem überraschenden Kurssprung von 13% an einem Tag den unteren Wendepunkt im enttäuschenden Kursverlauf der letzten drei Jahre durchschritten haben. Die vom neuen CEO Philipp Navratil eingeleitete, tiefgreifende Transformation des Nestlé-Konzerns sollte den Weg zu weiter steigenden Kursen ebnen, sofern das Unternehmen dadurch tatsächlich «agiler, wettbewerbsfähiger und innovationsfreudiger» wird. Konkret bedeutet dies in erster Linie Kosteneinsparungen, die einen Abbau von weltweit 16'000 Stellen vorsehen, ein Umbau der Unternehmenskultur sowie die Neuordnung grosser Beteiligungen (L’Oréal). 

Taktische Positionierung

Obligationen: Untergewichtung; 4 – 8-jährige Laufzeiten bevorzugen
Aktien: Leichte Übergewichtung; Schweiz und USA bevorzugen
Währungen: USD/CHF über 0.80 absichern; EUR/CHF über 0.94 absichern
Rohstoffe: Industriemetalle übergewichten und Energie untergewichten
Edelmetalle: Gold übergewichten, Goldminenaktien attraktiv
Immobilien: Übergewichtung (Anlagestiftungen, Immobilienfonds)
Transaktionen: Aktien:-  ; Obligationen:-
Sektoren: Übergewichtung Technologie, nicht-zyklischer Konsum, Versorger.

Matthias Wirz, 10. Oktober 2025