Im nachfolgenden Interview mit Christine Kaufmann, der Präsidentin des in Basel gegründeten Vereins «trauern hilft», erfahren Sie mehr über ihre Motivation zur Gründung des Vereins sowie darüber, wie dieser heute aufgestellt ist und welche Zukunftsperspektiven bestehen.
C.K.: Mein Vater starb 1997 an ALS (Red.: Amyotrophe Lateralsklerose ist eine chronisch fortschreitende degenerative Erkrankung des Nervensystems), als ich 14 Jahre alt war. Damals gab es für meine zwei Schwestern und mich keine Trauerbegleitung. Unsere Mama wollte nur das Beste für uns, sie selbst bekam aber leider auch keine Unterstützung darin uns Kinder in der Trauer zu begleiten. Deshalb haben wir alle einfach irgendwie weitergemacht und funktioniert. Ich hatte schon sehr lange das Bedürfnis, an dieser unbefriedigenden Situation etwas zu ändern.
C.K.: Da ich den Verein gegründet habe, war es irgendwie auch klar, dass ich die Verantwortung übernehme und an die Spitze stehen werde. Das mache ich sehr gerne und es freut mich jeden Tag wieder, wenn ich sehe, wie unser Projekt zum Laufen kommt.
C.K.: Ursprünglich machte ich eine Lehre als Hochbauzeichnerin, die mir aber nicht sehr behagte. Danach besuchte ich die Fachklasse für Gestaltung, die ich 2007 erfolgreich abschloss. Als Abschlussarbeit durfte ich ein Plakat für eine fiktive ALS-Vereinigung gestalten. Mit dieser Arbeit gewann ich im selben Jahr den Trafina Förderpreis, der mir den Start in meine Selbständigkeit ermöglichte.
C.K.: Der ALS-Patient, mit dem ich für meine Abschlussarbeit in Kontakt war, meldete sich schon bald nach dem Abschluss bei mir und teilte mir mit, dass er eine ALS-Vereinigung gründen möchte und dafür gerne meine Gestaltung der prämierten Abschlussarbeit übernehmen würde. Dies war der Startschuss für den heutigen Verein ALS Schweiz und auch für mich als selbstständige Grafikerin, als die ich noch heute unter dem Namen NEKA Grafik tätig bin. Vor drei Jahren folgte ich meinem Herzen und begann die Ausbildung zur Familientrauerbegleiterin, die ich im Sommer 2023 erfolgreich abschloss. Seit Ende 2023 begleite ich nun auch Familien und Kinder in ihrer Trauer (www.familientrauerbegleiterin.ch).
C.K.: Auf der einen Seite geht es um das Verständnis, wie Kinder trauern und was sie dabei brauchen. Auf der anderen Seite um die Sichtbarkeit und das Netzwerk.
C.K.: Die Online-Plattform «trauern hilft» ist für den Sommer 2027 geplant. Diese soll ab dann immer breiter bekannt werden. In Hospizen, Palliativzentren und Krankenhäusern sollen Merkblätter ausliegen, um den Angehörigen eine lange Suche nach Hilfe zu ersparen. Wir möchten aber auch unbedingt, dass Fachleute unter sich vernetzt werden, um so voneinander zu profitieren.
C.K.: Das Alter spielt für uns keine Rolle. Es sollen unbedingt Angebote für alle Altersklassen aufgebaut und sichtbar gemacht werden. Was noch fehlt, sind Kinder- und Jugendtrauergruppen, die sich regelmässig treffen und sich so austauschen können. Solche Angebote gibt es in der Nordwestschweiz noch fast keine.
C.K.: Wir haben private Gönner (Red.: die Gönnerbeiträge sind ab CHF 100 steuerbefreit), Stiftungen und Service-Clubs, die unsere Arbeit schätzen und uns tatkräftig unterstützen. Für die Umsetzung der Plattform sind wir aber auch auf Stiftungsgelder angewiesen, das Fundraising ist in vollem Gange.
C.K.: Unsere ehrenamtlichen Helfer haben alle noch Teil- oder Vollzeitstellen. Sie sind uns vor allem in der Aufbauarbeit oder der Betreuung eine grosse Hilfe und werden jeweils situativ eingesetzt.
C.K.: Unbedingt. In der Trauerbegleitung sprechen wir von Trauerpausen und ich kann auch einmal «Nein» sagen, so ist es nicht. Als Ausgleich treibe ich regelmässig Sport und habe einen großen Freundeskreis, der mich auch tatkräftig unterstützt. Und das künstlerische Schaffen liegt mir immer noch sehr am Herzen.
C.K.: Ich habe immer wieder großen Spass an grafischen Arbeiten und zusammen mit einer guten Freundin habe ich das Label «byChristine» gegründet. Zusammen designen wir Schals, Mützen und Pulswärmer aus hochwertiger zertifizierter Merinowolle (www.bychristine.ch/). Auch das «Trösterli*» ist eine Eigenkreation, die Sie auf unserer Homepage (www.trauernhilft.ch/#trost) finden.
C.K.: Dass unser Projekt «Online-Plattform» finanziert und optimal umgesetzt werden kann. So dass möglichst alle Betroffenen Hilfe erhalten und wir langfristig genügend Mittel erhalten, um neue und wichtige Angebote für betroffene Kinder und Jugendliche schaffen zu können.
Olaf Zehnder: Frau Kaufmann, recht herzlichen Dank für Ihre wertvolle Zeit und weiterhin viel Energie, Hingabe und Geduld, um Ihre Ziele erreichen zu können.
C.K.: Herzlichen Dank!
Olaf Zehnder, 15. Dezember 2025